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Deutsche Börse erwartet auch 2009 Zuwächse - Fusionen schwierig


Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Börse sieht ihr umfassendes Geschäftsmodell in der Finanzmarktkrise bewährt und erwartet auch 2009 Zuwächse. "Die organische Strategie war die richtige", sagte der Finanzvorstand des DAX-Konzerns, Thomas Eichelmann, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Frankfurt. "Ich glaube, dass wir mit unserem Modell sehr gut aufgestellt sind und weiter wachsen werden und wachsen können. Das heißt nicht, dass wir uns, wenn wir etwas angeboten bekommen, das nicht genau anschauen."

Anfang Dezember war bekanntgeworden, dass das Management des Frankfurter Marktbetreibers Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss mit der NYSE/Euronext geführt, diese aber ergebnislos beendet hatte. Experten halten Fusionen unter den Weltbörsen auf Augenhöhe ohnehin für schwierig. "Es gibt weltweit sehr wenige Spieler, die in unserer Klasse der Marktkapitalisierung unterwegs sind", sagte Eichelmann. Als Beispiele nannte er die NYSE/Euronext sowie die beiden größten Terminbörsen Chicago Mercantile Exchange (CME) und InterContinental Exchange (ICE). Doch selbst die transatlantische Megabörse NYSE ist an der Börse nur halb so viel wert wie die Deutsche Börse mit ihren rund zehn Milliarden Euro.

Die Deutsche Börse setzte weiterhin vor allem auf Wachstum aus eigener Kraft. "Wir arbeiten daran, die einzelnen Unternehmensteile noch stärker zusammenzubinden und gemeinsame Produkte zu entwickeln", sagte Eichelmann. Die von mächtigen Großaktionären wie die Hedgefonds TCI und Atticus immer wieder geforderte Zerschlagung des Konzerns halte er für keinen Weg zu Wertsteigerung. "Ich kann ja verstehen, dass Eigentümer wollen, dass der Wert ihres Anteils steigt und sie an Ausschüttungen interessiert sind. Aber am Ende des Tages haben Management und Aufsichtsrat auch ihre Pflichten", sagte der Finanzchef. Eichelmann betonte aber zugleich: "Wir führen einen regelmäßigen Dialog mit unseren Aktionären, die einen signifikanten Anteil an unserem Unternehmen halten. Wir besuchen sie regelmäßig und versuchen auch zu lernen, was ihr Anspruch an unsere Produkte ist."

Die Deutsche Börse bietet ihren Kunden ein umfassendes Angebot: Vom Handel mit Aktien über den Terminmarkt Eurex bis zur Verwahrung von Wertpapieren. Immer wieder hatten Aktionäre etwa den Verkauf der Abwicklungssparte Clearstream verlangt. Die Sparte sieht Eichelmann im nächsten Jahr als einen der Wachstumstreiber: "Bei Clearstream rechnen wir damit, dass wir 2009 davon profitieren, dass sich bei der Begebung von Anleihen ein großer Rückstau gebildet hat." Für die Abwicklungsseite gehe das Börsen-Management "von einem guten Geschäft aus". Erwartet wird zudem, dass die elektronische Xetra-Plattform von der Wiener Börse in weiteren osteuropäischen Ländern genutzt wird.

Die Sparschraube will die Deutsche Börse zunächst nicht weiter anziehen. "Wir sehen zum heutigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit, an dem Restrukturierungsprogramm, das wir Ende 2007 angekündigt haben, etwas zu ändern", sagte Eichelmann. Ende 2007 hatte der Frankfurter Marktbetreiber angekündigt, unter anderem mit Stellenstreichungen seine Kosten im Jahr 2008 um 50 Millionen Euro und im Jahr 2009 um 75 Millionen Euro zu reduzieren. Ab 2010 werde dann vor allem aufgrund des Umzugs der Konzernzentrale in das im Vergleich zu Frankfurt steuergünstigere Eschborn mit 100 Millionen Euro jährlich der volle Umfang dieses Programms realisiert.

Für das zu Ende gehende Jahr bekräftigte Eichelmann frühere Prognosen. "Wir bleiben dabei: Wir werden in diesem Jahr ein Rekordergebnis erzielen und bei den Kosten besser abschneiden als erwartet." Der Dezember sei "normal, vernünftig" angelaufen. "Das Jahresendgeschäft dürfte auch wieder eine Rolle spielen, ich erwarte aber keine Überraschungen", sagte der Deutsche-Börse-Vorstand.

Gespräch: Jörn Bender, dpa und Claudia Kahlmeier,  << zurück zur Übersicht