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Berichte: Merckle verspekuliert sich mit VW-Aktie - Schwere Verluste


Ulm (dpa) - Der Unternehmer und Milliardär Adolf Merckle hat sich laut Medienberichten mit VW-Aktien verspekuliert und schwere Verluste eingefahren. Der laut "Forbes"-Magazin fünftreichste Deutsche arbeite deshalb mit einem Bankenkonsortium an einer neuen Kreditvereinbarung für seine Investmentfirma VEM Vermögensverwaltung, berichteten am Montag das "Handelsblatt", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Financial Times Deutschland". Merckle habe durch den rasanten Anstieg der VW-Aktie bis zu eine Milliarde Euro verloren, weil auf fallende Kurse des Papiers gewettet worden sei. Die Medien beriefen sich auf Finanzkreise. Auch über einen Verkauf des Generika- Spezialisten Ratiopharm wird spekuliert. Die Merckle-Unternehmen wollten sich dazu zunächst nicht äußern.

Ende Oktober hatte eine Kursexplosion des VW-Papiers für Aufsehen gesorgt. Zeitweise erreichte die Aktie am 28. Oktober den Rekordstand von 1005,01 Euro - damit war Volkswagen kurzzeitig das teuerste Unternehmen der Welt. Hedge-Fonds machten Milliarden-Verluste, weil sie zuvor bei misslungenen Leerverkauf-Geschäften auf fallende Kurse gewettet hatten. Händler hatten dabei massiv geliehene VW-Aktien verkauft. Sie wollten sie später vor der Rückgabe an die Leihgeber zu niedrigeren Kursen wiederkaufen und die Differenz als Gewinn einstreichen. Es kam aber anders: Porsche gab bekannt, dass man inzwischen rund 74 Prozent der Anteile an VW in der Hand halte. Der Kurs schoss in die Höhe und die Leerverkäufer wurden kalt erwischt.

Wie schwer die Merckle-Gruppe von diesen missratenen Geschäften betroffen sein könnte, war zunächst unklar. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte VEM-Geschäftsführer Ludwig Merckle: "Wir stehen mit den Banken in Verhandlungen zur Stabilisierung der Situation. Diese Verhandlungen sind weit fortgeschritten." Rund 40 Banken sollen sich an den Kredit-Verhandlungen beteiligen. Die Commerzbank sei dabei in führender Funktion. Aber auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die Royal Bank of Scotland seien in die Gespräche involviert. Die LBBW wollte sich dazu nicht äußern.

Die Merckle-Gruppe mit etwa 100 000 Mitarbeitern macht jährlich insgesamt rund 30 Milliarden Euro Umsatz. Laut "Handelsblatt" hat sie insgesamt mehr als 16 Milliarden Euro Finanzschulden. Zum Merckle- Imperium gehören neben Ratiopharm und VEM auch Deutschlands größter Baustoffhersteller HeidelbergCement und der Pharmagroßhändler Phoenix. Weitere Beteiligungen der Familie sind Kötitzer Leder, Spohn Cement und Kässbohrer Geländefahrzeuge.

Bereits am Freitag war bekanntgeworden, dass der Pharmahersteller Ratiopharm verkauft werden soll, um HeidelbergCement aus den roten Zahlen zu helfen. HeidelbergCement macht der Markteinbruch in den USA und Großbritannien zu schaffen. Die Gerüchte wurden offiziell weder bestätigt noch dementiert. Ein Ratiopharm-Sprecher sagte der Deutschen Presse- Agentur dpa lediglich: "Tatsache ist, dass der Geschäftsführung keine Entscheidung der Gesellschafter vorliegt." Als Käufer wurden die israelische Teva-Gruppe und der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis gehandelt. Die Summe soll bei bis zu 5,4 Milliarden Euro liegen. Ratiopharm hat rund 5400 Mitarbeiter und erzielte zuletzt 1,8 Milliarden Euro Umsatz.

Die Aktien von HeidelbergCement brachen am Montag nach den Berichten über die misslungenen Aktienwetten ein. Es herrsche Sorge, dass die Familie Merckle verstärkt Anteile abstoßen könnte, um die Fehlspekulationen zu finanzieren, hieß es. Am Nachmittag sanken die Titel des Zementherstellers um knapp 17 Prozent auf 42,45 Euro und waren damit Schlusslicht im MDAX.

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