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Börse verschärft nach VW-Kurskapriolen die Index-Regeln

Frankfurt/Main (dpa) - Nach den Kurskapriolen der Volkswagen-Aktie hat die Deutsche Börse ihre Indexregeln verschärft. Künftig müssen mindestens zehn statt nur fünf Prozent der Aktien aller Mitglieder wichtiger Indizes - wie dem DAX - frei handelbar sein. Dies teilte die Börse am Montag in Frankfurt mit. Zudem will der Indexanbieter künftig alle meldepflichtigen Termingeschäfte, mit denen sich ein Aufkäufer eines Unternehmens schon Aktien sichert, bei der Berechnung des frei handelbaren Anteils mitzählen.

Berücksichtigt wird diese Neuregelung erstmals bei der planmäßig Überprüfung der Indizes am 3. Dezember, umgesetzt werden die Änderungen dann zum 22. Dezember. Volkswagen dürfte Experten zufolge deshalb allerdings nicht aus dem Leitindex DAX fallen, weil Porsche spezielle, nicht meldepflichtige Optionen gekauft hatte. Dafür könnten Continental im DAX und vier weitere Werte in anderen Indizes der Deutschen Börse betroffen sein.

Ende Oktober hatte Porsche mitgeteilt, mehr als 70 Prozent der VW- Stammaktien direkt zu besitzen oder über Derivate an möglichen Kurssteigerungen beteiligt zu sein. Rund 20 Prozent der Aktien hält das Land Niedersachsen. Damit standen kaum noch frei handelbare Papiere zur Verfügung. Die Optionen von Porsche gelten allerdings als nicht meldepflichtig, weil sie keine automatische Lieferung der Aktien zur Folge haben, sondern bar ausgezahlt werden können.

Die Volkswagen-Stammaktien waren nach der Porsche-Mitteilung in die Höhe geschossen und hatten zeitweise mehr als 1000 Euro gekostet. Damit war der Wolfsburger Autobauer die teuerste Aktiengesellschaft der Welt. Hintergrund waren aber nicht reale Wirtschaftsdaten des Unternehmens, vielmehr hatten viele Hedgefonds zuvor geliehene Aktien verkauft und damit auf fallende Kurse gewettet. Sie hatten dann wegen des hohen Porsche-Anteils Probleme, ihre Positionen glattzustellen.

Im DAX machte Volkswagen damit zeitweise rund 30 Prozent des Gewichts aus, das Börsenbarometer soll aber die Entwicklung aller großen Aktiengesellschaften in Deutschland widerspiegeln. In einer ersten Reaktion hatte die Deutsche Börse den Anteil von Volkswagen außerplanmäßig auf zehn Prozent begrenzt. Wenig später wurde das Regelwerk dahingehend geändert, dass eine sehr schwankungsreiche Aktie komplett aus dem Index entfernt werden kann, wenn sie ein Gewicht von mehr als zehn Prozent erreicht.

Die Neuregelung könnte nun für den Autozulieferer Continental das Aus im DAX bedeuten - die Firma wird derzeit vom Familienkonzern Schaeffler übernommen, der seinen Anteil aber wieder unter 50 Prozent bringen will. Entscheidend wird hier sein, wann Wandelanleihen umgetauscht werden. Im Technologie-Index TecDAX könnten nach einer Schätzung der Börse aufgrund der Daten von Ende Oktober der vom Elektronikkonzern TDK übernommenen Bauelemente-Spezialisten EPCOS sowie der DSL-Anbieter Versatel ihre Plätze verlieren. Im MDAX der mittelgroßen Werte sind AMB Generali und im SDAX der kleineren Werte die IKB bedroht. Entscheidend werden die November-Ranglisten der Börse sein.

Neben der Anhebung der sogenannten Free-Float-Schwelle beschloss die Börse, dass bei einem Unterschreiten von zehn Prozent nicht erst quartalsweise, sondern unter bestimmten Umständen bereits binnen zwei Handelstage Firmen aus den Indizes genommen werden können. Mit ihren Neuregelungen reagiert die Börse auch auf die insgesamt gestiegenen Bedeutung von Derivaten. Volkswagen-Stammaktien sackten am Montag gegen den Trend zeitweise mehr als 14 Prozent auf 312,63 Euro ab. dpa rg yyhe z2 uw
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