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Möbelbranche: Deutsche Möbelbranche trotzt der Krise - "Nicht so pessimistisch" Von Thomas Strünkelnberg, dpa


Herford (dpa) - Trotz täglicher Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft bleibt Deutschlands Möbelindustrie optimistisch. "Ich glaube nicht, dass wir den Absturz der Möbelindustrie 2009 erleben werden", sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), Dirk-Uwe Klaas. Die deutschen Hersteller könnten laut Klaas "halbwegs ungeschoren" durch die Finanzkrise und die drohende Rezession kommen, vielleicht sogar profitieren. Denn die Nachfrage nach Immobilien werde sich im kommenden Jahr vermutlich beleben und damit auch das Geschäft mit Möbeln ankurbeln. In schweren Zeiten seien die eigenen vier Wände gefragt, betont Klaas. "Ich bin nicht so pessimistisch."

Der Verbandsgeschäftsführer tritt selbstbewusst auf, doch zumindest im Möbelhandel ist die Unsicherheit groß: Möbelhäuser locken teils mit deutlichen Preisnachlässen. Klaas betont, dies sei der aktuell schwierigen Lage geschuldet - schließlich wisse niemand, wie sich die Finanzkrise auf die Verbraucher auswirke.

Vor allem im Export lasse die Wachstumsdynamik nach, erklärt Klaas. Nach einem Exportwachstum von mehr als 15 Prozent im vergangenen Jahr liege das Plus derzeit bei acht bis neun Prozent. Für das laufende Jahr prognostiziert der VDM ein Umsatzwachstum um 1,5 Prozent im Vergleich zu 2007 auf 19,8 Milliarden Euro. Bis Ende August 2008 stieg der Umsatz um 2,9 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro, gab allerdings im August um 7,1 Prozent nach. 2009 sollte "wenigstens eine schwarze Null" gelingen, sagt Klaas.

"2009 wird kein gutes Jahr, aber einen Absturz der Möbelindustrie sehe ich nicht", sagt Lucas Heumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Küchenmöbelindustrie. Die Küchenmöbelhersteller peilten 2008 ein Umsatzplus von drei bis vier Prozent an, in den ersten acht Monaten waren es 4,8 Prozent. 2007 waren die Erlöse der Branche um 5,1 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro gestiegen. Osteuropa sei weiter stark, die Geschäfte in Großbritannien und Spanien seien dagegen eingebrochen. Für 2009 rechnet Heumann damit, dass sich die Branche beim Umsatzwachstum "um die Nulllinie" bewegen werde.

Zuversicht herrscht beim Herforder Luxusküchenhersteller Poggenpohl. "Wir würden uns ein anderes Klima wünschen", sagt Elmar Duffner, Geschäftsführer der Poggenpohl Möbelwerke und VDM-Präsident. "Wir machen uns schon Gedanken, aber sehen keine Dramen." Bei einem Exportanteil von mehr als 75 Prozent setzt Duffner darauf, die schwächeren Geschäfte in Spanien oder den Niederlanden mit den starken Märkten Asien, der Golfregion und Osteuropa zu kompensieren. Per Ende September sei der Absatz um 12 Prozent gestiegen. Der Umsatz sei nicht entsprechend gewachsen, liege aber bis Ende August über dem Umsatzplus der Branche.

Veranlassung zum Stellenabbau gebe es nicht, betont Duffner. er weist auf einen weiteren Großauftrag über 1600 Küchen für eine Luxuswohnanlage in Dubai hin. Und auch in der Krise will die Nobia- Tochter Poggenpohl mit 570 Mitarbeitern und einem Umsatz von 124 Millionen Euro im vergangenen Jahr weiter investieren. In den kommenden fünf Jahren wolle das Unternehmen weltweit bis zu 60 neue Küchenstudios eröffnen. Bislang hat der Hersteller 30 eigene Geschäfte.

In den vergangenen Jahren jeweils um etwa zehn Prozent gewachsen ist Deutschlands größter Hersteller von Möbelbeschlägen, die Hettich Unternehmensgruppe in Kirchlengern bei Herford. Doch seit Ende 2007 schwäche sich das Wachstum ab, 2008 werde es ein leichtes Plus geben, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Andreas Hettich. "Wir werden nicht verschont von der Finanzkrise." Prognosen für 2009 seien schwierig. Im vergangenen Jahr hatte Hettich mit 5800 Mitarbeitern einen Umsatz von 777 Millionen Euro erzielt - bei einem weltweiten Marktanteil von acht Prozent. Hettich plane 2009 keinen Abbau von Arbeitsplätzen, betont Uwe Kreidel, Geschäftsführer der Paul Hettich GmbH. Das Unternehmen arbeite mit einer "Atmungsreserve", einem Leiharbeiteranteil zwischen zwei und zehn Prozent.

Im laufenden Jahr bleibt die Beschäftigtenzahl in der Möbelbranche weitgehend stabil bei rund 103 000, prognostiziert Klaas. "Das hängt ein bisschen davon ab, ob der Tarifpartner Maß hält." Heumann befürchtet, dass die Beschäftigtenzahl 2009 zurückgehen wird. Aber in überschaubarem Rahmen.
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