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Verband prüft Extra-Vergütungen für Großapotheker


Berlin (dpa) - Deutsche Großapotheker sollen mit Hilfe eines Zwischenhändlers in Österreich Extra-Gelder von Pharmaunternehmen erhalten haben. Wie das Magazin "Stern" berichtete, bauten sie ein System auf, mit dem für verschreibungspflichtige Präparate eigentlich verbotene Rückvergütungen an Apotheken möglich sind.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in Berlin distanzierte sich von solchen Geschäftspraktiken. Man werde nach Kenntnis des Berichts nun juristisch prüfen, ob die Konstruktion zulässig sei, sagte ABDA-Sprecher Thomas Bellartz am Mittwoch in Berlin. Wenn das nicht der Fall sei, werde die ABDA dagegen gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium vorgehen.

Für das Vergütungssystem, an dem derzeit 27 Apotheker mit jeweils mindestens 1,5 Millionen Euro Jahresumsatz beteiligt seien, wurde laut "Stern" Ende 2006 eigens die Genossenschaft Global Apo mit Sitz in Wien gegründet. Interne Dokumente und Verträge belegten, dass Großapotheken dort Medikamente bestellten, die Aufträge sofort an den Stuttgarter Großhändler GEHE weitergeleitet wurden, der die Apotheken dann direkt belieferte. Die Apotheker bezahlten nach diesen Informationen ihre Ware bei Global Apo, die Rückvergütung der Pharmafirmen erhielten sie wiederum über die Wiener Genossenschaft in Form einer jährlichen Ausschüttung.

Ein GEHE-Sprecher bestätigte: "Global Apo beauftragt uns, Ware zu Mitgliedern der Genossenschaft zu transportieren." Dies sei "nach unserem Kenntnisstand rechtlich absolut in Ordnung".

In Kooperationsverträgen zwischen Global Apo und mehreren Pharmaunternehmen, die dem "Stern" vorliegen, ist genau geregelt, wie hoch die Vergütungen ausfallen. Je größer der Umsatz ist, den eine Apotheke mit Produkten eines Herstellers macht, desto höher sind die Provisionen. Auf diese Weise werde ein Anreiz geschaffen, bei Verschreibungen bestimmte Arzneimittel zu verkaufen und andere nicht.

Das Unternehmen Betapharm in Augsburg soll laut "Stern" bis zu 27,5 Prozent des Umsatzes als Rückvergütung an Global Apo gezahlt habe. Eine Firmensprecherin sagte auf Anfrage, der Vertrag mit Global Apo sei 2007 gekündigt und aufgelöst worden. Zu weiteren Details wollte sie keine Stellung nehmen. Andere Unternehmen wie Merck Pharma und AxiCorp bestätigten, mit Global Apo Verträge geschlossen zu haben. Diese seien aber nach juristischer Prüfung nicht angewandt worden, es habe also keine Geschäfte mit Global Apo gegeben. dpa  << zurück zur Übersicht