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Verband: Krise trifft Versicherungen weniger als andere Branchen


Berlin (dpa) - Die deutsche Versicherungsbranche sieht sich trotz Finanzmarktkrise in stabiler Verfassung. "Wir spüren die Finanzkrise, aber sie gefährdet uns nicht", sagte der neue Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Rolf- Peter Hoenen, der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Auch wenn nicht absehbar sei, wie lange und tief die Rezession sein werde, sehe er im kommenden Jahr "keine schwarzen Wolken aufziehen". Anders als bei den Banken sei nicht damit zu rechnen, dass Versicherungsunternehmen in eine existenzbedrohende Lage geraten und auf staatliche Hilfe angewiesen sein werden.

Zu spüren bekämen die Versicherungen die Krise zwar auch bei ihren Aktienbeständen, die Wertverluste verzeichneten. In Aktien seien im Branchenschnitt jedoch nur etwa acht Prozent aller Vermögensanlagen investiert, erläuterte Hoenen, der auch Chef der Versicherungsgruppe HUK-Coburg ist. "Bei festverzinslichen Wertpapieren, die den Löwenanteil der Anlagen ausmachen, spüren wir derzeit ebenfalls den Zinsrückgang. Dies sind aber weiterhin sehr sichere Anlagen." Nach der vorangegangenen Börsenkrise von 2001 hätten Versicherungen das Risikomanagement verbessert. Eine Flucht der Kunden aus langfristigen Verträgen etwa für Lebens- und Rentenversicherungen sei nicht zu beobachten. "Es gibt keine Stornowelle."

Auf das Geschäft der Kfz-Versicherungen schlägt die massiv zurückgegangene Nachfrage nach Neuwagen vorerst kaum durch, wie Hoenen erläuterte. "Wir erwarten keinen dramatischen Einbruch der Zahl der zugelassenen Autos." Trotz sinkender Neuzulassungen wachse der Bestand in diesem Jahr wohl nochmals leicht. Da viele Menschen angesichts zuletzt hoher Benzinpreise zudem weniger fahren, komme es zu weniger Unfällen. Deswegen stiegen auch die Schäden weniger stark.

Die klassische Lebensversicherung erlebe derzeit wieder "eine Renaissance", sagte Hoenen. Sie bilde noch immer das "Rückgrat der privaten Altersvorsorge" in Deutschland und habe sich in Krisenzeiten bewährt. Die durchschnittliche Mindestverzinsung über alle Verträge liege bei 3,5 Prozent. Mit Überschussbeteiligung würden derzeit im Schnitt 4,3 Prozent erreicht. Inklusive Schlussbonus betrage die Gesamtverzinsung rund 5,0 Prozent.

Um das Versicherungsgeschäft sicherer zu machen, müsse das Regelwerk "Solvency II" für ein neues EU-System des Aufsichtsrechts verwirklicht werden. "Wir kämpfen dafür", sagte Hoenen. Die meisten Punkte seien geklärt. Noch keine einheitliche EU-Position gebe es bei der Frage der Gruppenaufsicht, also inwieweit die Aufsichtsbehörde im Heimatland einer Gesellschaft auch die Kontrolle der Auslandstöchter übernimmt. "Solvency II" mit neuen Regeln zur Risikoabsicherung durch Eigenkapital soll 2012 in Kraft treten.

Gespräch: Sascha Meyer und Bernd  << zurück zur Übersicht