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Asiens Giganten rücken in Krise näher - Verhältnis bleibt schwierig Von Lars Nicolaysen, dpa



Tokio/Fukuoka (dpa) - Im Angesicht der weltweiten Finanzkrise üben Asiens Wirtschaftsriesen Japan, China und Südkorea den Schulterschluss. Zum ersten Mal in der Geschichte ihrer schwierigen Beziehungen kamen die Führer der drei nordostasiatischen Nachbarstaaten zu einem gesonderten Gipfel zusammen. Japans Regierungschef Taro Aso bezeichnete das "historische" Treffen nahe seines Wahlkreises im südlichen Fukuoka als einen "Epoche machenden Fortschritt". Und auch sein chinesischer Amtskollege Wen Jiabao sprach von einem "Meilenstein". Und doch können derlei große Worte laut Kritikern nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das historisch belastete Verhältnis der drei Mächte weiter kompliziert gestaltet.

Aso, Wen und Südkoreas Präsident Lee Myung Bak sind sich über die Bedeutung ihrer Länder als ein Zentrum des Weltwirtschaftswachstum bei der Bewältigung der Krise bewusst. In gemeinsamen Erklärungen weisen sie auf die Notwendigkeit einer verstärkten Kooperation hin, um die "ernsten Herausforderungen" zu meistern. So wollen sich die Zentralbanken der drei Länder gemeinsam gegen einen weiteren Verfall des südkoreanischen Won stemmen. Doch die unterzeichneten Erklärungen gehen über die rein wirtschaftliche Zusammenarbeit hinaus. Auch das gegenseitige politische Vertrauen wolle man fördern und der soziale und kulturelle Austausch zwischen ihren Ländern ausgeweitet werden.

Es ist nicht lange her, da herrschte noch ein anderes Klima. So hatte Chinas Empörung über die Pilgergänge des früheren japanischen Regierungschefs Junichiro Koizumi zum Yasukuni-Schrein in Tokio, wo unter anderem wegen Gräueltaten in China verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden, die Beziehungen mit Japan auf den tiefsten Stand seit drei Jahrzehnten fallen lassen. Nach jahrelangen Spannungen hatte erst der Regierungswechsel in Tokio zu Shinzo Abe und danach zu Yasuo Fukuda eine deutliche Verbesserung ihrer Beziehungen gebracht. Es war denn auch Fukuda gewesen, in dessen Amtszeit sich die drei Nachbarstaaten im November vergangenen Jahres auf solche Dreiergipfel verständigten. Das erste Treffen sollte im September stattfinden, musste aber wegen Fukudas plötzlichen Rücktrittes verschoben werden.

Bei der Wahl seines Nachfolgers Taro Aso hatte es dann Sorgen gegeben, es könnte unter dem national-konservativen Politiker erneut zu Spannungen mit China und Südkorea kommen. Auch deswegen ist allein schon das Zustandekommen des Gipfels bemerkenswert. "Endlich bewegt sich die Achse in Ostasien", überschrieb die japanische Zeitung "Mainichi Shimbun" ihren Kommentar, wies jedoch zugleich darauf hin, dass es "nicht einfach" sein werde, dass "zerbrechliche Verhältnis" dauerhaft zu stärken. So vermieden es die drei Führer, auf weiter bestehende Probleme wie die Territorialstreitigkeiten zwischen Japan und den Nachbarn sowie Japans Kriegsvergangenheit näher einzugehen.

Vor Beginn des Gipfels teilte Aso seinem chinesischen Kollegen Wen Tokios Protest über das kürzliche Eindringen zweier chinesischer Schiffe in Japans Hoheitsgewässer nahe einer umstrittenen Inselgruppe mit. Doch immerhin ließ der Vorfall den Dreiergipfel in Fukuoka genauso wenig platzen, wie der kürzliche Fall des früheren japanischen Luftwaffenchefs, der in einem Essay leugnete, dass Japan einen Aggressionskrieg in Asien geführt hatte. Zwar hatten China und Südkorea scharfe Kritik an den Äußerungen geübt, sahen jedoch, dass Japans Regierungschef Aso sofort handelte und den General feuerte.

In ihrer gemeinsamen Gipfelerklärung verständigten sich die drei asiatischen Führer nun darauf, dass ihre Kooperation dem Prinzip des gegenseitigen Vertrauens, der Offenheit und gemeinsamer Interessen folgen solle. Zwar gab es, wie japanische Kommentatoren festhielten, in Fukuoka keine substanziellen Ergebnisse. Immerhin aber biete der vereinbarte jährliche Dreiergipfel die Chance, dass die Führer der größten asiatischen Wirtschaftsmächte offen über ihre Probleme sprechen. Inwieweit sie dies auch nutzen werden, bleibt abzuwarten. dpa ln xx a3 jf
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