logo
Home
Mein Depot
 Name, WKN, ISIN
LSR
OPEC mit dem Rücken zur Wand - Zeigt die Förderkürzung Wirkung? Von Bernhard Funck, dpa-AFX



Frankfurt/Main (dpa) - Das mächtigste Ölkartell der Welt steht mit dem Rücken zur Wand: Einerseits sieht sich die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) gezwungen, auf die seit Sommer massiv eingebrochenen Ölpreise und die trüben Aussichten für die weltweite Nachfrage zu reagieren. Andererseits sind die Mitgliedsländer auf die Einnahmen aus ihren Ölexporten angewiesen - ihre Geldquelle schlechthin. Nachdem die OPEC am Mittwoch die größte Förderkürzung in ihrer Geschichte vorgenommen hat, erwarten Marktbeobachter zwar mittelfristig eine Erholung der Rohölnotierungen. Kurzfristig gilt ein Anstieg der Preise aber als sehr fraglich.

Seit dem Sommer haben die Ölpreise in beispielloser Weise an Boden verloren. Zunächst waren sie wegen einer ungewöhnlich hohen Nachfrage von Finanzinvestoren und deren Spekulationen bis Juli auf historische Höchststände von knapp 150 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. Anschließend kannten die Preise nur eine Richtung: nach unten. Seit Juli hat sich ein Fass Öl um 70 Prozent oder rund 110 Dollar verbilligt. Als Grund nennen Experten die mageren Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft. Organisationen wie die Internationale Energieagentur (IEA) rechnen für 2008 sogar mit einem Rückgang der Ölnachfrage - es wäre der erste seit 25 Jahren.

All dies versetzt die OPEC in eine unkomfortable Lage. Dass das Angebot an Rohöl die weltweite Nachfrage derzeit übersteigt, gilt sowohl unter Marktbeobachtern als auch in den Reihen des Ölkartells als unstrittig. Einigkeit herrscht auch auch bei der Beurteilung der Entwicklung: Ein "fairer", also fundamental gerechtfertigter Rohölpreis, wird bei rund 75 Dollar je Barrel gesehen. Mit aktuell rund 40 Dollar (Nordseesorte Brent) notiert er deutlich darunter.

Auf das Ungleichgewicht hatte die OPEC schon vor drei Monaten mit einer Förderkürzung von rund 2,0 Millionen Barrel am Tag reagiert. Im Januar fährt sie die Produktion um weitere 2,2 Millionen Barrel zurück - das bedeutet eine Drosselung der offiziellen Tagesproduktion um rund 15 Prozent seit September 2008. Dann liegt die tägliche Förderung der OPEC, die rund ein Drittel der weltweiten Ölproduktion auf sich vereint, so tief wie zuletzt Mitte 2004. Auch andere Ölproduzenten wie Russland und Aserbaidschan (keine OPEC- Mitglieder) haben Produktionskürzungen angekündigt. Und Russland "flirtet" verstärkt mit dem Ölkartell - wobei ein Beitritt des größten Ölförderlandes außerhalb der OPEC unter Experten als unwahrscheinlich gilt.

Obgleich Marktbeobachter seit dem Preisfall auf Untertreibungen am Rohölmarkt hinweisen, rechnen sie nach der OPEC-Entscheidung nicht mit einer kurzfristigen Stabilisierung der Ölpreise. "Die globale Rohölnachfrage dürfte in den Jahren 2008 und 2009 rückläufig sein", sagt die Rohstoffexpertin Dora Borbély von der DekaBank. Das Ölangebot werde zumindest im Durchschnitt des laufenden Jahres aber erneut steigen. "Mittelfristig wird vor allem die Disziplin der OPEC- Mitglieder bei der Umsetzung der beschlossenen Drosselung für die Preiswirkungen entscheidend sein", sagt Borbély. Und daran hat es in der Vergangenheit im Kartell schon mehrmals gehapert.

Im Falle einer "Quotendisziplin" seitens der OPEC-Mitglieder rechnet die DekaBank bis Sommer 2009 mit Rohölpreisen von 70 bis 80 Dollar - ein aus ihrer Sicht "faires" Niveau. Eine etwas andere Einschätzung bietet die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Tatsächlich könnte dieser Schritt das Ende des fünfmonatigen Bärenmarktes bedeuten", sagt LBBW-Experte Frank Schallenberger. Er rechnet damit, dass das Angebot an Rohöl schneller und stärker zurückgehen wird als die Nachfrage. Sofern die OPEC-Entscheidung konsequent umgesetzt werde, dürfte der aktuelle Ölpreis den Tiefststand der Korrektur bedeuten, ergänzt Schallenberger. Bis Ende 2009 rechnet die LBBW mit einem Preis von 65 Dollar je Barrel Rohöl.
dpa bf/stb/sb yyfx a3 ak/so
 << zurück zur Übersicht