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Finanzkrise macht den Euro attraktiver - Slowakei neues Mitglied Von Christian Böhmer, dpa


Brüssel (dpa) - Mitten in der Finanzkrise steigt das Ansehen des Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung erweist sich als stabil. Sie bietet Unternehmen und Bürgern Schutz vor abrupten Wechselkursschwankungen. Die zunächst vielfach geschmähte Einheitswährung, bisweilen als "Teuro" gebrandmarkt, wird in turbulenten Zeiten zum Rettungsanker.

Neue EU-Länder in Mittel- und Osteuropa stehen dem Euro weniger skeptisch gegenüber als noch vor einem Jahr. Die Slowakei hat ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Schulden und Inflation in den Griff bekommen. Sie wird als erstes Land des früheren Ostblocks zum Jahreswechsel (1. Januar) Euro und Cent an die Bürger ausgeben. Damit wird die Eurozone dann 16 EU-Länder mit knapp 329 Millionen Einwohnern umfassen.

Von einem Siegeszug des Euro in den Erweiterungsländern, die von 2004 an zur Union stießen, kann aber nicht die Rede sein. Vor der Slowakei bekamen nur das kleine Slowenien, das zum früheren Jugoslawien gehörte, und die Mittelmeerinseln Malta und Zypern die Eintrittskarte in den Euro-Club.

Neue Kandidaten sind rar. Im "Vorzimmer des Euro", dem Europäischen Wechselkursmechanismus, harrt seit längerem ein altes EU-Mitglied aus: Dänemark. "Es erfüllt die Beitrittskriterien", meint EU-Währungskommissar Joaquín Almunia. "Dänemark hat jedoch eine vertragliche Ausnahmeklausel." Kopenhagen ist deshalb - wie übrigens auch Großbritannien - nicht zur Euro-Übernahme verpflichtet. Die Briten begannen angesichts der dramatischen Talfahrt ihres Pfunds eine öffentliche Debatte. Wirtschaftsminister Peter Mandelson, ein früherer EU-Kommissar, kündigte bereits an, auf lange Sicht sei der Beitritt zur Euro-Zone angepeilt.

In Mittel- und Osteuropa notieren Almunia und seine Mitarbeiter nur kleine Fortschritte. Polen, mit Abstand das größte Land der Region, nennt immerhin ein Datum für die Euro-Mitgliedschaft: 2012. Für Rumänien steht 2014 im Raum. Die von hohen Inflationsraten gebeutelten baltischen Länder verzichten hingegen auf Termine. In Lettland brennt sogar das Haus. Wegen akuter Finanznot in Riga geben EU, Internationaler Währungsfonds (IWF) und andere insgesamt 7,5 Milliarden Euro.

Lettland könne frühestens 2012 mit einem Beitritt rechnen, heißt in inoffiziell bei der EU. Für Estland und Litauen sehen die Chancen mit einem möglichen Termin 2010/11 etwas besser aus. Für Ungarn, das am Rande der Staatspleite stand, und Tschechien, das im kommenden Halbjahr die EU-Amtsgeschäfte führen wird, fehlen bisher jegliche Daten.

Trotz des verbesserten Ansehens des Einheitsgeldes verzichtet der Euro-Club auf lautstarke Eigenwerbung. Das zehnjährige Jubiläum der Gemeinschaftswährung - am 1. Januar 1999 startete der Euro zunächst als Buchgeld - wird in Brüssel diskret übergangen. Die Champagnerflaschen bleiben zu. "Der Euro funktioniert", lautet das lapidare Resümee von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Doch vor allem in der politischen Führung des Euroraums knirscht es immer noch. Denn die Mitgliedstaaten bestimmen weiter über ihre Haushaltspolitik - das macht Absprachen schwierig. Es fehlt beispielsweise eine gemeinsame Schuldenpolitik. Deutschland ist gegen die Idee, gemeinsame Euro-Anleihen aufzulegen. "Das könnt Ihr mir nicht zumuten", meinte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück unlängst bei einem EU-Treffen. Berlin könne Anleihen mit deutlich besseren Konditionen platzieren als andere Länder mit dem Euro.
dpa cb xx a3 so
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