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Gas frei? - Schlagabtausch Putin-Merkel auf offener Bühne Von Frank Rafalski und Marc-Oliver von Riegen, dpa



Berlin (dpa) - Gemeinsame Presse-Auftritte in Krisenzeiten von Angela Merkel und Wladimir Putin haben oft den Charakter eines Schlagabtauschs. Beide verstehen und mögen sich irgendwie, aber schenken sich auch nichts. So auch auf wieder nach ihrem gut einstündigen Gespräch an diesem Freitag im Kanzleramt. Es gab nur ein Thema: Wie rasch kann das russische Gas wieder nach Westeuropa und den Balkan fließen?

Merkels Gesichtsausdruck ist säuerlich, als Putin vor dem dicht gedrängten Pressepulk langatmig die russischen Verluste in Millionen- Höhe wegen des Streits mit der Ukraine beklagt. Völlig undiplomatisch spricht der starke Mann von Moskau an die Adresse von Kiew von "gestohlenem Gas", von "Erpressung" und "Diebstahl". Merkel lässt sich auf diese Aufrechnerei nicht ein. "Bei Schuldzuweisungen ist selten der Fall, dass nur einer schuldig ist", erwidert sie trocken.

"Wir Vertrauen darauf, dass wir unser Gas bekommen ... so schnell wie möglich", sagt sie das eine aufs andere Mal. Das sei auch im russischen Interesse. Putin quittiert das schließlich mit einem deutschen "Jawoll!". Am Ende gingen beide nicht aber im Streit auseinander.

Die Vorarbeiten für die Ostseepipeline nach Russland gingen voll weiter, sagte die Kanzlerin. "Es ist die Zeit, dass man auf guten Beziehungen aufbaut", reicht sie die Hand. Nun soll es mit der Ukraine eine Testphase mit einer internationalen Steuerung der Gaslieferungen geben. Einzelheiten blieben zunächst noch nebulös.

Der Gas-Streit brachte Putins Deutschland-Trip ziemlich durcheinander. Am Rande der Grünen Woche verhandelte er in einem Hotel mit Energieversorgern. Hier klang er noch versöhnlich: "Wir müssen darüber nachdenken zusammen, wie wir unsere ukrainischen Freunde unterstützen", warb er für sein Konsortium-Modell. Es läuft letztlich darauf hinaus, dass die Energiewirtschaft selbst die Steuerung der Gaslieferung nach Westeuropa und dem Balkan übernimmt.

Am Ende sollen jedoch die Europäer die Zeche zahlen. Die Kosten zum Füllen der Pipeline und für die Kompressionsstationen gab Putin für die ersten drei Monate mit 730 Millionen Dollar (555 Millionen Euro) an. Vorher machte Putin einen Ausflug auf die Grüne Woche - die größte Agrarmesse der Welt. Dort besuchte er die Russland-Halle, die im Vergleich zu den anderen Ausstellern alle Rekorde bricht. Händeschütteln, Lächeln, Musikvorführungen: Hier zeigte sich der russische Regierungschef wieder ganz Geschäftsmann.

Das dichte Programm verzögerte Putins Terminplan. Am Abend traf er mit Verspätung in Dresden ein. Auch dieser Besuch war heikel. Putin wurde für seine Bemühungen um den deutsch-russischen Kulturaustausch mit dem Orden "Adverso Flumine" des Dresdner SemperOpernball-Vereins geehrt. In der Stadt war er in den 80er Jahren KGB-Agent gewesen. Es war der erste Auslandseinsatz für den damals jungen Russen.

Am Samstag stand für Putin schon der nächste Gas-Krisen-Gipfel an. Viele setzen darauf, dass bei weiteren Spitzengesprächen in Moskau endlich der Durchbruch für das Gas kommt. Die ukrainische Premierministerin Julia Timoschenko wurde in der russischen Hauptstadt erwartet. Die EU - das machte Merkel in Berlin klar - wird vertreten durch die Brüsseler Kommission dabei sein.
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