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Ratloses Schweigen: Stimmung bei Qimonda Dresden am Nullpunkt Von Torsten Klaus und Gudrun Janicke, dpa


Dresden (dpa) - Ob es nur der kalte Wind ist, der dem alten Qimonda-Wachmann die Tränen in die Augen treibt? Sagen will er nichts zur Stimmung am Standort im Dresdner Norden - wenige Stunden, nachdem am Firmensitz in München der Insolvenzantrag gestellt wurde. Dick in einen dunkelblauen Parka gepackt, hat der Mann die Journalisten im Blick, die am Werksgelände versuchen, die Atmosphäre einzufangen. Auf der dunklen Jacke zeichnet sich deutlich der Qimonda-Betriebsausweis mit dem violetten Logo ab. "62", antwortet er auf die Frage nach seinem Alter. Zur Stimmung im Unternehmen will er aber nichts sagen.

Einige andere, meist jüngere Qimonda-Mitarbeiter äußern sich ebenfalls nicht. Nur einer lässt durchblicken, dass er aus dem Internet von der Pleite seines Arbeitgebers erfahren habe. Dann schüttelt er den Kopf und geht weiter. Viele würdigen die fragenden Medienvertreter keines Blickes, aber die versteinerten Gesichter sprechen Bände. Bei Qimonda Dresden herrscht ratloses Schweigen, dieser Eindruck ist fast greifbar.

In den vergangenen Wochen war hart um das Überleben des für den Halbleiterstandort Sachsen so wichtigen Unternehmens gepokert worden. Im Falle, dass das Schwergewicht mit derzeit rund 3000 Arbeitsplätzen den Bach runtergeht, wird ein Horrorszenario skizziert. Befürchtet wird sogar ein Dominoeffekt, der die gesamte Branche in Sachsen ins Wanken bringt. Immerhin waren seit der Wende durch die CDU- Förderpolitik im Freistaat nach Angaben der Linksfraktion rund 1,5 Milliarden Euro in die Ansiedlung von Leuchtturmfirmen wie AMD, Infineon und Qimonda geflossen. In ihrem Sog siedelten sich rund 1200 Unternehmen an, die rund 44 000 Menschen Arbeit geben.

Qimonda sollte nicht das Opfer der weltweiten Halbleiterkrise werden. Nach langer Überlegung servierte Sachsen deshalb dem Unternehmen Mitte Dezember die 150-Millionen-Euro Hilfe wie auf einem Silbertablett. Die nur wenige Stunden später folgende Ablehnung durch die Konzernspitze aus München irritierte und hinterließ ratlose Gesichter. Als dann kurz vor Weihnachten mit Portugal ein eher unerwarteter Retter mit ins Boot geholt werden konnte, gab es wieder zaghafte Hoffnung.

Mit Zuversicht wurde im Hintergrund weiter am Verhandlungspaket gearbeitet. Zudem wurde die Konzernspitze immer wieder an die Forderung erinnert, ein tragfähiges Konzept vorzulegen. Bis Donnerstag war das Wort Insolvenz in Sachsen im Zusammenhang mit Qimonda kaum öffentlich gefallen. Doch als kurzfristig weitere 300 Millionen Euro für das Überleben des Unternehmens gefordert wurden, war das weitere Szenario fast absehbar.

"Der Freistaat hat alles versucht, um für Qimonda am Standort Dresden eine längerfristige Perspektive zu schaffen", äußerte sich Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) nun enttäuscht. Sachsen sei bis an die Grenze des Vertretbaren gegangen.

An die Mitarbeiter und die Technologie von Qimonda werde geglaubt, wird immer weiter beteuert. "Die Staatsregierung wird alles tun, um einen künftigen Investor zu unterstützen", bekräftigte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Mit dieser Aufmunterung werden die Dresdner Qimonda-Beschäftigten ins Wochenende entlassen. Doch in Krisenzeiten dürften Investoren für einen am Boden liegenden Markt wie die Halbleiterbranche schwer zu finden sein.

(Internet: www.qimonda.com)
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