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Fusionskarussell bei Landesbanken beginnt sich zu drehen - Südbank? Von Stefanie Baumer und Christine Schultze, dpa

Stuttgart/München (dpa) - Nach monatelangen Debatten um die Neuordnung der Landesbanken in Deutschland legt der Branchenprimus als erster die Karten auf den Tisch. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) will mit der BayernLB den Anfang zu einer Konsolidierung der Landesbanken-Branche machen. "Wir sind bereit zu Fusionsgesprächen insbesondere mit der BayernLB", sagte Baden- Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) am Freitag in Stuttgart. Ob und wann der Zusammenschluss im Süden tatsächlich gelingt, ist angesichts zahlreicher heikler Fragen noch völlig offen.

Auf wenig Gegenliebe in Bayern dürfte Oettingers Forderung stoßen, dass nach einer Fusion die Musik vor allem in Stuttgart spielen soll. So beansprucht Oettinger einen Hauptsitz einer Südbank für seine Landeshauptstadt. Außerdem soll nach seinen Vorstellungen der Sessel des künftigen Vorstandsvorsitzenden ebenfalls in Stuttgart stehen.

Aber auch der erwartete Milliarden-Kapitalbedarf der LBBW wegen der Finanzkrise dürfte in Bayern für Skepsis sorgen. Die Eigner gaben am Freitag bekannt, dass sie der Bank mit einer Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro unter die Arme greifen. Es gebe schon Bedenken, dass sich da "ein Kranker mit einem Kranken ins Bett legt", heißt es. Entsprechend zurückhaltend fielen am Freitag die Reaktionen aus München auf den Vorstoß aus Baden-Württemberg aus. "Jeder weiß, dass Fusionen die aktuellen Probleme der Landesbanken nicht lösen", sagte eine Sprecherin des bayerischen Finanzministeriums und erklärte zugleich: "Selbstverständlich werden wir alle Angebote, die Baden- Württemberg oder die LBBW machen, intensiv prüfen." Mit einer raschen Entscheidung wird in Bayern derzeit nicht gerechnet.

Die Liste der Bedingungen der LBBW-Träger für einen möglichen Zusammenschluss ist lang. Unter anderem sollen nach den Vorstellungen der LBBW-Träger alle Risiken, die aus der Zeit vor einer Fusion in den Banken steckten, bei den Anteilseignern der Banken bleiben.

Die Südbank gilt im Poker um die Neuordnung der Landesbanken schon lange als wahrscheinliche Lösung. Bisherige Anläufe für einen Zusammenschluss zwischen der Nummer eins und Nummer zwei der Branche waren am Widerstand der bayerischen Staatsregierung gescheitert. Dahinter steckten auch Befürchtungen vor einem weiteren Bedeutungsverlust für den Finanzplatz München, der schon unter der Übernahme der HypoVereinsbank durch die italienische Großbank UniCredit gelitten hat. Zahlreichen Mitarbeitern dürfte die Konsolidierung den Job kosten. Baden-Württembergs Sparkassen- Präsident Peter Schneider rechnet mit einem "erheblichen Personalabbau".

Das Sparkassenlager favorisiert eine Zusammenlegung der bisher sieben eigenständigen Landesbanken zu nur noch drei großen Blöcken. Eine Variante wäre ein Zusammenschluss der LBBW, BayernLB und des Mittelstandsgeschäftes der WestLB. Oettinger jedenfalls erwähnte am Freitag im Zusammenhang mit den jetzt beginnenden Fusionsbemühungen auch das Düsseldorfer Institut - ohne allerdings auf Details einzugehen.

Der Banken-Experte Wolfgang Gerke hält den Schritt dennoch für unausweichlich - und fordert noch weitere Zusammenschlüsse in der Landesbanken-Landschaft. "Wir brauchen nur eine Landesbank bundesweit", sagt der Experte. Zusammenschlüsse böten eindeutige Vorteile: "Man hat große Synergiepotenziale, man kann Kosten sparen, ökonomisch ist das auf jeden Fall ein Schritt, den man gehen muss." Allerdings müssten beide Partner etwas davon haben, erklärte Gerke mit Blick auf BayernLB und LBBW. "So eine Fusion funktioniert nur unter Gleichen und nicht zulasten von nur einem."

Wenn der Stein bei der Landesbankenkonsolidierung endlich ins Rollen kommt, dürfte auch ganz nach dem Geschmack von Sparkassenpräsident Schneider sein. Er wiederholt seit Monaten gebetsmühlenartig immer wieder die Forderung nach Zusammenschlüssen. Aus einem Lieblings-Partner BayernLB hat er nie einen Hehl gemacht. "Wir sind dem Ziel, eine starke Landesbank im Süden zu schaffen, einen großen Schritt näher gekommen", sagte er am Freitag. Die Präsidenten der regionalen Sparkassenverbände hatten vor einigen Tagen vorgeschlagen, die sieben noch eigenständigen Landesbanken in drei Blöcke im Norden, in der Mitte und im Süden Deutschlands zu bündeln.

LBBW-Chef Siegfried Jaschinski, der schon zuvor in Sachen Fusionen auf die Bremse getreten war, zeigte sich zurückhaltend. Bis zu einer Fusion müssen seiner Ansicht nach noch große Brocken aus dem Weg geräumt werden. "Wenn man heute beide Banken zusammenschließen würde, gäbe es keinen, der das finanzieren würde."
dpa sba/cs ot yysw/by a3 kf
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