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Bundesagentur rüstet sich für schwierige Zeiten auf dem Arbeitsmarkt Von Klaus Tscharnke, dpa


Nürnberg (dpa) - Lange Zeit schien der Arbeitsmarkt gegen die Krise immun - inzwischen fällt der Schatten der Rezession auch auf den längsten und kräftigsten Job-Boom seit Jahrzehnten. Angesichts der bevorstehenden Eintrübung schwindet selbst bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) die Freude über die neuerliche Unterschreitung der psychologisch wichtigen Drei-Millionen-Marke. Immerhin lag die Zahl der arbeitslosen Männer und Frauen im November mit 2 988 000 so niedrig wie zuletzt beim Wiedervereinigungsboom vor 16 Jahren - und das trotz der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe im Jahr 2005.

Dennoch: Die wirtschaftliche Realität hat die offizielle Arbeitslosenstatistik längst eingeholt. Während die Zahlenkolonnen der BA-Statistiker noch einen Boom abbilden, gehen bei den örtlichen Arbeitsagenturen reihenweise Kurzarbeit-Anfragen und -Meldungen ein, wie BA-Chef Frank-Jürgen Weise berichtete. Viele Firmen, darunter vor allem Autozulieferer, kündigten erste Entlassungen an. Und auch die Statistik der offenen Stellen offenbart nach einer grundlegenden Überarbeitung inzwischen eine weitaus geringere Nachfrage nach Arbeitskräften als bisher angegeben - statt einer Million nur rund 540 000.

Aber selbst die Arbeitsmarktstatistik enthält Signale, dass nach dem Job-Boom eine, wenn auch recht unmerkliche Eintrübung bereits eingesetzt hat. So ist der monatsbezogene Rückgang der Erwerbslosenzahl mit 8000 für einen November erstaunlich gering ausgefallen. In den vergangenen fünf Jahren hatte er trotz des Krisenjahres 2005 im Schnitt bei mehr als 50 000 gelegen. Und auch der Umstand, dass erstmals seit Jahren die Zahl der Empfänger von Arbeitslosengeld I weniger stark gesunken ist als die der Hartz-IV- Bezieher, macht deutlich: Auch für bislang leicht vermittelbare Arbeitslose ist inzwischen die Jobsuche schwieriger als noch vor ein paar Monaten.

Arbeitsagenturen und Jobcenter rüsten sich denn auch für schwierige Zeiten. Nach der Hartz-IV-Reform und anderen Nachbesserungen stehen sie aller Voraussicht nach Ende 2009 vor ihrer ersten großen Belastungsprobe. Dabei dürfte sich nach Einschätzung von BA-Chef Frank-Jürgen Weise auszahlen, dass die Bundesregierung nicht auf einen Personalabbau bei der BA gedrungen habe. BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt setzt im Kampf gegen steigende Arbeitslosenzahlen vor allem auf verstärkte Aus- und Fortbildung von Arbeitslosen. Gerade längere Kurzarbeitsphasen sollten für eine Weiterqualifizierung von Betroffenen genutzt werden, schlägt er vor. Dafür stünden im Jahr 2009 rund 50 Millionen Euro zur Verfügung.

Schon taucht bei Oppositionsparteien auch der Verdacht auf, die schwarz-rote Bundesregierung könne angesichts der erwarteten Eintrübung mit "statistischen Schönfärbereien" versuchen, die Arbeitslosenzahlen künstlich niedrig zu halten. Bestätigt sehen sich die Grünen und die Linkspartei von geplanten Änderungen der Arbeitsmarktstatistik: So sollen nach Plänen des Arbeitsministeriums demnächst alle Arbeitslosen aus der Statistik herausfallen, die von privaten Vermittlern betreut werden. Mit ihrer Kritik wissen die Parteien einen wichtigen Verbündeten an ihrer Seite: das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das ist immerhin das Forschungszentrum der Bundesagentur.
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