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Die Schweizer UBS ist noch lange nicht über den Berg - Von Heinz-Peter Dietrich, dpa



Luzern (dpa) - Kann die Schweizer Großbank UBS nun aufatmen? Hilft ihr ein von den Aktionären abgesegneter Staatszuschuss von fast 70 Milliarden Franken wieder auf die Beine? Steigt jetzt der Kurs, der kürzlich mit knapp über sieben Euro ein nie dagewesenes Tief erreicht hat? Es bleiben eigentlich nur Fragen, denen sich Verwaltungsratspräsident Peter Kurer am Donnerstag vor rund 2400 Aktionären in der Messe von Luzern am Vierwaldstättersee gegenübersah und die er nicht ausreichend beantworten konnte. Die Bank ist noch lange nicht über den Berg.

Zwar wurde die Staatshilfe gebilligt, die im Oktober, als es um eine zweite Kapitalerhöhung für die angeschlagene Bank ging, noch kategorisch ausgeschlossen wurde. Doch nun hängt alles davon ob, wie sich die Finanzmärkte entwickeln - und wie die Bank das Vertrauen zurückgewinnen kann. Ein Abfluss von 140 Milliarden Franken (90 Mrd Euro) an Kundengeldern in den ersten neun Monaten - das ist kein Pappenstil, auch nicht für den weltgrößten Vermögensverwalter.

Wie dramatisch die Lage war, ging aus der Eingangsrede Kurers hervor. Hätte man noch länger gewartet, hätte sich das Risiko ergeben, "dass wir mit dem Schicksal der Bank, ihrem Kapital, unseren Kundengeldern und letztlich auch mit der Zukunft und dem Wohlergehen unseres ganzen Landes gespielt hätten", sagte der Bankmanager den Aktionären.

Kurer ist Teil des Systems UBS, das die Aktionäre in Luzern heftig geißelten. Bevor er im Oktober Verwaltungsratspräsident wurde und den angeschlagenen Marcel Ospel ablöste, gehörte er der Konzernleitung an. Mit ihm, dem ehemaligen Hausjuristen, können sich viele Aktionäre nur schwer einen Neuanfang vorstellen.

Mehrmals reagierte Kurer am Donnerstag auch dünnhäutig, wenn er von einigen Rednern im Schweizer Dialekt hart angegangen wurde. Denn die UBS hat hat kein anonymes Geld - bisher musste sie 40 Milliarden Franken abschreiben - verbrannt. Herr und Frau "Schweizer" hatten sich mit ihren Aktien darauf verlassen, einen sorgenfreien Lebensabend genießen zu können, wie in Luzern beklagt wurde. So ist das in der reichen Schweiz, wo die Rente nur spärlich fließt.

Stattdessen Verluste wo man hinschaut. Und nun musste Kurer auch noch zugeben, dass in den USA die Vorwürfe einer Beihilfe der Bank bei Steuerbetrügereien nicht völlig aus der Luft gegriffen sind. "Schwere Steuerbetrugsfälle" habe man entdeckt, räumte er ein. Das Raunen, das durch den Saal ging, zeigte, dass die Aktionäre noch nicht auf alles gefasst waren.

Die UBS wird nicht untergehen. Das haben gerade noch einmal Politik und Bankenaufsicht der Schweiz bekräftigt. Aber sie bietet ein "schreckliches Bild", wie etwa Aktionär Hanspeter Bornhauser beklagte. Unter dem Druck der Aktionäre wird nun auch eine Schadenersatzklage gegen frühere hohe UBS-Manager nicht mehr ausgeschlossen. Der UBS-Verwaltungsrat hat das eingeleitet. Es würden hohe Schadensersatzforderungen fällig, wenn denn bewiesen werden könnte, dass diese Manager gegen die Statuten verstoßen haben.

Es hilft der Bank aber wenig, wenn sie ständig in den Schlagzeilen ist. Sie brauche Ruhe, um ihre Geschäfte wieder neu aufbauen zu können, beklagte ein Mitarbeiter in Luzern. "Sie müssen Vertrauen in uns haben", sagte er. Die Bank bestehe doch nicht nur aus Vorständen. Anders sieht das der Vorsitzende der Sozialdemokraten im Schweizer Parlament, Christian Levrat. Seine Partei hatte ihm extra eine UBS- Aktie gekauft, damit er ungewöhnlicherweise ein Rederecht in Luzern wahrnehmen kann. Er schimpfte, dass selbst Mitglieder des Verwaltungsrates noch massenweise UBS-Aktien verkauft hätten, während sich der Staat um die Rettung des Instituts bemühe. "Wo soll da das Vertrauen herkommen?", fragte Levrat. Eine Frage, die ebenfalls nicht beantwortet wurde.
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