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EZB senkt Leitzins um 75 Punkte auf 2,50 Prozent
Die Europäische Zentralbank kämpft mit der größten Zinssenkung ihrer Geschichte gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise. Wie die EZB am Donnerstag mitteilte, sinkt der Leitzins um 75 Basispunkte auf 2,5 Prozent.

Frankfurt/Main (APA/ag.) - So niedrig lag der Schlüsselzins für die Refinanzierung der Banken bei der EZB zuletzt im Frühsommer 2006. Die EZB hat den Leitzins in ihrer zehnjährigen Geschichte nie so stark bewegt.

EZB-Präsident Trichet begründete den kräftigen Zinsschritt nach der Sitzung der nationalen Notenbankchefs der Euro-Länder und der Führungsspitze der EZB in Brüssel mit der sich verschlimmernden Wirtschaftslage. Der Beschluss sei im EZB-Rat einstimmig erfolgt, da die Entspannung bei der Teuerung anhalte, die Risiken für die Konjunktur aber weiter zugenommen hätten. Er habe zwar Grund zu der Annahme, dass sich die Wirtschaft wieder erholen werde. 2009 werde aber insgesamt negativ gesehen. Zur weiteren Zinspolitik hielt sich Trichet jedoch bedeckt.

Mit in die Überlegungen der Notenbanker flossen auch die aktualisierten Prognosen der EZB-eigenen Ökonomen ein. Diese wurden kräftig nach unten revidiert. Im kommenden Jahr erwarten die Experten nun einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität in den nach dem Beitritt der Slowakei dann 16 Euro-Ländern. Noch vor drei Monaten hatten die Volkswirte ein Wachstum von 1,2 Prozent prognostiziert. 2010 gibt es allerdings die Chance auf eine Erholung nach einem rabenschwarzen 2009.

Die Finanzmärkte hatten angesichts der Beschleunigung des Wirtschaftsabschwungs in den vergangenen Wochen auf eine kräftige Lockerung der Geldpolitik gehofft, nachdem die EZB im Oktober und November den Leitzins in zwei Schritten von je einem halben Prozentpunkt gekappt hatte. Bereits am Mittag hatte die britische Notenbank ihren Leitzins auf zwei Prozent gesenkt. Zuvor hatten die schwedische Riksbank und die Notenbank Neuseelands jeweils Rekord-Zinssenkungen vorgenommen und damit den Druck auf EZB und Bank of England erhöht.

Uwe Angenendt von der BHF-Bank reagierte dennoch enttäuscht auf den Beschluss: "Ich hätte mir auch einen stärkeren Schritt nach unten vorstellen können, glaube aber, dass das in den nächsten Sitzungen fortgesetzt wird. Bis zum Ende des ersten Quartals des kommenden Jahres sehen wir den Zinssatz bei 1,25 Prozent." Rentenstratege Kornelius Purps von der Unicredit sagte, die Zinsentscheidung der EZB sei "nicht Fisch, nicht Fleisch."

Der deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und der Chef der Euro-Gruppe, Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, lobten die EZB für ihre Entscheidung. Glos sprach von einem "vertrauensfördernden Signal". Bankenverbände reagierten ebenfalls positiv. Kritik kam von Dierk Hirschel, Chefvolkswirt des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Er bemängelte, die EZB sei zu zaghaft im Kampf gegen die Krise. "Die EZB muss schnell runter auf ein Prozent - so wie die US-Notenbank."

Die Währungshüter in Washington entscheiden in knapp zwei Wochen über den Leitzins, den sie zuletzt in großen Schritten bis auf ein Prozent gekappt hatten. Wenn der Leitzins sinkt, verbilligen sich Kredite für Unternehmen und Haushalte und die Wirtschaft wird auf diese Weise angeschoben. Kehrseite der Medaille für Sparer: Guthaben werden von den Banken niedriger verzinst.

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