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Deutsche Firmen rufen wegen Wirtschaftskrise lauter nach Staatshilfe


Hamburg/München (dpa) - Angesichts einer der schlimmsten Krisen der deutschen Nachkriegszeit wird in der Wirtschaft der Ruf nach noch mehr staatlichen Hilfen zusehends lauter. Vielen Managern gehen die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung nicht weit genug, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet. Demnach verlangt etwa adidas-Chef Herbert Hainer Steuersenkungen zur Ankurbelung des Konsums, beispielsweise eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer von derzeit 19 auf 16 Prozent.

Die Deutsche Bundesbank hatte erst am Freitag prognostiziert, dass deutsche Wirtschaft 2009 in eine tiefe Rezession stürzt und vor dem schärfsten Abschwung seit 1993 steht. Die Zentralbank rechnet, damit dass die Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent schrumpft. Noch härter hatten die Wirtschaft bislang nur die Folgen der Ölkrise vor mehr als 30 Jahren getroffen - mit einem Minus der Wirtschaftsleistung von 0,9 Prozent im Jahr 1975. Insbesondere die Autoindustrie steckt nach Einschätzung des Branchenverbandes VDA in einer Talfahrt, die es in diesem Tempo noch nicht gegeben hat.

VW-Chef Martin Winterkorn sorgt sich darum, dass die Krise zu einem "verheerenden Flächenbrand eskaliert". Bei der aktuellen Lage handele es sich um "eine absolute Ausnahmesituation ­ mit den herkömmlichen politischen und wirtschaftlichen Instrumenten kommen wir da nicht weiter", sagte er dem "Spiegel".

Porsche-Vorstand Holger Härter verlangte, die Reaktion auf den erwarteten Nachfrageeinbruch müsse "in Deutschland deutlich stärker ausfallen". Geld müsse der Staat auf jeden Fall ausgeben. "Wenn er es jetzt nicht für ein Konjunkturprogramm investiert", so Härter, "dann muss er später umso mehr Geld ausgeben, um die sozialen Folgen der Krise abzumildern".

BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner sprach sich unterdessen für einen staatlichen Rettungsschirm für angeschlagene Automobilzulieferer aus. "In einer so schwierigen Krisensituation muss der Staat einspringen", sagte Eichiner dem Nachrichtenmagazin "Focus". Es gebe Anzeichen, dass sich die Lage einiger Zulieferer verschärfe. Die Autohersteller seien damit überfordert, die Blockade des Kapitalmarktes zu überwinden und Mittel zur Verfügung zu stellen. "Wir können das nicht alleine stemmen", sagte Eichiner, der erst vergangene Woche das Finanzressort bei BMW übernahm.

Vor diesem Hintergrund wird auch die Kritik an der Finanzwirtschaft lauter: Der Vorstandschef des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen, Hans-Georg Härter, wird vom "Spiegel" mit den Worten zitiert, die Banken "lassen sich mit Steuermitteln sanieren, anstatt ihrer Aufgabe nachzukommen, Kunden Geld in Form von Krediten zukommen zu lassen". Bosch-Chef Franz Fehrenbach sagte dem Nachrichtenmagazin: "Es ist unverantwortlich, wenn im Kern gesunde Unternehmen in den Ruin getrieben werden, weil sie sich nicht mehr refinanzieren können."
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