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Deutschland droht historische Rezession und hohe Arbeitslosigkeit


Essen/Berlin (dpa) - Die deutsche Wirtschaft droht in die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg abzurutschen. Nach einer am Mittwoch vorgestellten Prognose des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) wird das Bruttoinlandsprodukt 2009 um zwei Prozent schrumpfen. Die Zahl der Arbeitslosen könnte im Jahresverlauf um eine Million steigen. Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bricht die Wirtschaft bereits im vierten Quartal 2008 stärker ein als erwartet. Trotz der Hiobsbotschaften hält das Bundeswirtschaftsministerium an seiner verhalten optimistischen Prognose fest und geht für 2009 weiterhin von einem "Mini-Wachstum" von 0,2 Prozent aus.

Im Sog des weltweiten Abwärtsstrudels korrigieren die Institute seit Wochen ihre Prognosen nach unten. Im September hatte das RWI für 2009 noch ein Wachstum von 0,7 Prozent vorhergesagt. "Deutschland befindet sich nach unserer Einschätzung in einer tiefen Rezession", sagte RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn. Den bislang stärksten Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Leistung gab es in Deutschland 1975 als Folge der Ölkrise mit minus 0,9 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit könnte 2009 wieder die Grenze von vier Millionen überschreiten, hieß es. Momentan sind knapp drei Millionen Menschen in Deutschland ohne Job. "Derzeit deutet nichts auf eine rasche Erholung hin", sagte Döhrn. Besonders der Export werde sich deutlich abschwächen.

"Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September hat eine regelrechte Abwärtsspirale in Gang gesetzt", erklärte der Konjunkturexperte. Die Finanzmarktkrise habe auf andere Bereiche übergegriffen, die zunächst nicht betroffen gewesen seien. "Die Stahlwerke arbeiten gerade noch so, dass die Hochöfen nicht kalt werden", sagte Döhrn.

Deutschland als Exportnation könnte von dem globalen Abschwung im kommenden Jahr besonders getroffen werden. Früher oder später werde die Rezession aber alle Branchen treffen, sagt der Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut, Thomas Straubhaar. Inzwischen fahren Unternehmen und Verbraucher fast überall Ausgaben zurück. Das schlimmste, was laut Experten drohen kann, sei eine Abwärtsspirale: Die Konjunkturschwäche löst massive Arbeitsplatzverluste aus, dadurch bricht die Kaufkraft der Verbraucher weg, Unternehmen fehlt noch mehr Geld und sie müssen noch mehr Stellen streichen.

Derweil gibt es weiter Streit um Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) forderte ein Vier-Punkte-Sofort-Programm zur Belebung der Konjunktur. "Mehr Investitionen, Steuersenkungen, Hilfen für den Finanzmarkt und ein Investitionsbeschleunigungsgesetz - das muss unser Programm zur Bewältigung der Krise sein. Und zwar jetzt und nicht irgendwann", sagte Seehofer der "Passauer Neuen Presse".

Die Folgen der Finanzkrise trüben auch die Aussichten für das laufende Jahr immer weiter ein. Die Wirtschaftsexperten des Berliner DIW senkten ihre Konjunkturprognose für das vierte Quartal. Sie erwarten nun bei der Wirtschaftsleistung ein Minus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Für 2008 ergebe sich daraus eine Wachstumsrate von 1,7 Prozent.

Zuletzt hätten sich die Industrieproduktion und die Bauwirtschaft deutlich ungünstiger als erwartet entwickelt. Die deutsche Volkswirtschaft stehe inzwischen "an der Übergangsschwelle von einer Über- zur Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten", sagte DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths. Deshalb könne "nunmehr auch im eigentlichen Sinne von einer Rezession gesprochen werden".

Das DIW rechnet aber zur Jahresmitte 2009 mit einer Trendwende, dann dürfte die Konjunktur wieder anziehen, meinte Kooths. Der Forscher wandte sich gegen kurzfristige Aktionen, um den privaten Konsum anzukurbeln. Der Einbruch in der Industrie sei Folge der weltweiten Abschwächung, diese treffe den Export von Investitionsgütern. Dem sei mit einem Strohfeuer beim privaten Verbrauch nicht beizukommen.

Mittlerweile hat der Abschwung neben Europa und den USA auch einstige Boom-Märkte wie China und Indien voll erfasst. Die Weltbank befürchtet die schlimmste Wirtschaftskrise seit der Großen Depression vor 80 Jahren. Sie erwartet für nächstes Jahr ein globales Wachstum von nur noch 0,9 Prozent nach 2,5 Prozent 2008. Nach einer Faustregel bedeutet ein globales Wachstum von unter drei Prozent, dass die Welt in die Rezession gerutscht ist.
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