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Länderausblick: Die Wirtschaftsaussichten 2009 in Westeuropa


Hamburg (dpa) - Die führenden Wirtschaften in Westeuropa steuern auf ein hartes Jahr 2009 zu:

FRANKREICH stellt sich insgeheim auf eine kräftige Rezession ein, erwartet aber einen geringeren Einbruch als in Deutschland, weil die Konjunktur mehr von der privaten Inlandsnachfrage abhängt und weniger vom Industrieexport. Offiziell sagt die Regierung für 2009 weiter ein Wachstum um 0,2 bis 0,5 Prozent voraus, allerdings jetzt mit dem Zusatz: "Wir werden ja sehen." Nach einer Delle soll die Wirtschaft zum Jahresende wieder expandieren. Denn ein Konjunkturpaket von 26 Milliarden Euro werde 2009 einen Wachstumsimpuls von 0,6 Prozent des BIP bringen. Es soll 80 000 bis 110 000 Stellen schaffen und damit den krisenbedingenten Jobabbau größtenteils ausgleichen. Doch Präsident Sarkozys Reformvordenker Jacques Attali sagt bereits ein zweites Konjunkturpaket im Frühjahr voraus. Der Index für das Geschäftsklima sank im November auf den tiefsten Stand seit September 1993 und die Arbeitslosigkeit hat die symbolstarke Schwelle von zwei Millionen wieder überschritten.

Die Aussichten in GROßBRITANNIEN sind düster: Die Hauspreise sinken weiter und das Konsumklima ist am Boden. Fast täglich werden Stellenstreichungen verkündet. Ende November korrigierte die Regierung die Wachstumsraten deutlich nach unten. Für das kommende Jahr erwartet sie nun, dass die Wirtschaft zwischen 0,75 und 1,25 Prozent schrumpft. Das bedeutet, dass das Königreich in die Rezession rutscht. Befürchtet wird auch, dass die Zahl der Arbeitslosen die kritische Marke von drei Millionen erreicht. Die Regierung hofft, dass das Hilfspaket von 20 Milliarden Pfund (23,7 Mrd Euro) die Konjunktur im kommenden Jahr wieder ankurbelt. Dabei baut sie auch auf die Wirkung der gesenkten Mehrwertsteuer. Allerdings wächst die Verschuldung des Staates im kommenden Finanzjahr durch das Rettungspaket auf 118 Milliarden Pfund. Das sind acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

In SPANIEN wird erwartet, dass die Konjunktur im kommenden Jahr ihren Tiefpunkt erreichen wird. Das Land hat wirtschaftlich eine Talfahrt erlebt wie kaum ein anderer Staat in Europa. Vor gut einem Jahr lag die Wachstumsrate noch bei 3,5 Prozent, und in Spanien wurden mehr Arbeitsplätze geschaffen als in den meisten anderen EU- Ländern. Jetzt steuert Spanien auf eine Rezession zu (was die Regierung offiziell noch nicht bestätigen will) und hat mit 12,8 Prozent die höchsten Arbeitslosenquote in der Euro-Zone. "Die Arbeitslosigkeit ist unsere größte Sorge", sagte Wirtschafts- und Finanzminister Pedro Solbes. "Es besteht Einvernehmen darüber, dass die Lage 2009 schlechter sein wird als 2008." Nach Schätzungen von Experten könnte die Arbeitslosenquote einen Wert 15 bis 16 Prozent erreichen. Die Zeitung "El País" erwartet in Spanien für 2009 ein Schrumpfen der Wirtschaft um 1,0 Prozent.

Die SCHWEIZ steht entweder kurz vor oder befindet sich schon in der Rezession. Für Wirtschaftsministerin Doris Leuthard sieht das Land aber weit von einer Depression mit einem massiven Anstieg der Zahl der Arbeitslosen und einem Einbruch der Konsumausgaben entfernt. Dennoch ist es für die Schweiz ungewöhnlich, wie sich der Arbeitsmarkt verschlechtert. Im Jahresdurchschnitt 2009 wird von einer Arbeitslosigkeit von knapp über drei Prozent ausgegangen. Sie liegt derzeit bei etwa 2,5 Prozent. Der Wirtschaftsverband economiesuisse warnte angesichts der Hilfsmaßnahmen etwa für die in Schieflage geratenen Großbanken vor einem weiter ausgeprägten Staatsinterventionismus. Der Verband geht für die Schweiz von einer Stagnation für 2009 aus. Der private Konsum werde durch weitere Zinssenkungen und die versprochenen Reallohn-Erhöhungen die Konjunktur stützen. Doch dürfte der Schweizer Export, wovon etwa zwei Drittel in die Europäische Union gehen, stark unter Druck geraten.

ITALIEN befindet sich in einer Rezession, von der erwartet wird, dass sie noch mindesten bis Ende 2009 andauert. 2008 schrumpfte doe Wirtschaft bereits geschätzt um etwa 0,4 Prozent. Für 2009 wird Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 1 Prozent vorhergesagt. Die Arbeitslosenquote liegt bei etwa 6,8 Prozent, Tendenz steigend. Nach Angaben des nationalen Statistikamtes ISTAT wird sie bis 2010 auf mindestens 8 Prozent steigen. Besonders besorgniserregend ist dabei die Jugendarbeitslosigkeit, die in Italien rund 20 Prozent beträgt. Auch die Konsumfreudigkeit der Italiener soll weiter abnehmen. "Die Familien sehen schwarz", titelte vor Weihnachten die römische Tageszeitung "La Repubblica". Viele Italiener fühlen sich in ihrer Existenz bedroht: Laut Umfragen des Sozialforschungsinstituts Censis sehen vier von zehn Beschäftigten ihren Arbeitsplatz gefährdet. 71 Prozent der Bevölkerung fürchten um ihren Lebensstandard. dpa hn/re/hk/hpd/kat xx w4 so

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