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Aktionärsschützer: In deutscher Wirtschaft rollt Umbau-Welle

Düsseldorf (dpa) - Die Finanzkrise und der Konjunkturabschwung haben nach Einschätzung von Aktionärsschützern die größte Umbauwelle in der deutschen Wirtschaft seit langem ausgelöst. "Was jetzt kommt, ist eine Restrukturierungswelle", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Weil der Konjunkturabschwung heftig sei, würden auch die Kostensenkungen und Einschnitte in den Unternehmen sicherlich viel intensiver ausfallen als in den zurückliegenden guten Jahren. Eine Folge der Restrukturierungswelle sei der Abbau von Arbeitsplätzen. Zuerst seien Leiharbeiter und befristet Beschäftigte betroffen.

"In diesem Jahr hatten wir bis Oktober noch gute Zahlen in weiten Teilen der Wirtschaft. Im Oktober trennte sich die Spreu vom Weizen. Dann ging es in rapider Geschwindigkeit nach unten", beschrieb der Aktionärsschützer den Konjunkturverlauf 2008. In der Autobranche mit zahlreichen mittelständischen Zuliefern seien die Auswirkungen am stärksten. Im Maschinenbau gebe es Auftragsrückgänge von 20 Prozent. Auf diese gravierenden Negativ-Entwicklungen müssten die Unternehmen reagieren. "Wer jetzt nicht Plan B in der Schublade hat, handelt grob fahrlässig", meinte Hocker. Das gelte besonders für mittelgroße und kleine Gesellschaften, die vom Erfolg weniger Produkte abhängig seien.

Es sei kein Einzelfall, dass Vorstände dem Aufsichtsrat inzwischen mehrere Geschäftspläne für das neue Jahr vorlegten mit Szenarien für eine relativ normale Entwicklung und für den ungünstigsten Fall. "Es gibt zwei, manchmal auch drei Pläne", schilderte Hocker. Er warnte zugleich vor einer Katastrophenstimmung in der deutschen Wirtschaft und am Kapitalmarkt. Ein Großteil der mittelständischen Unternehmen habe die guten Jahre genutzt, um seine Eigenkapitalbasis zu stärken. Viele Großunternehmen hätten ebenfalls für schlechtere Zeiten vorgesorgt. Umbau- oder Sparkonzepte würden häufig noch im Dezember beschlossen, damit die Kosten das neue Geschäftsjahr nicht zusätzlich belasteten.

Angesichts der Krise an den Finanzmärkten schlage die Stunde der ertragsstarken Familienunternehmen. "Das ist eine günstige Zeit, in der man Märkte durch Übernahmen konsolidieren kann", sagte der DSW- Hauptgeschäftsführer. Während es für Finanzinvestoren derzeit viel schwerer sei, größere Summen zu stemmen, hätten Familienunternehmen mehr Kapital. "Gerade die kleinen Aktiengesellschaften, die keinem Index angehören, sind zu Pfundpreisen zu haben. Wenn es in das eigene Geschäft passt, wird das sicherlich geprüft." Die Übernahme von Continental durch Schaeffler bleibe mit der Größenordnung des Kaufpreises von mehreren Milliarden Euro eher eine Ausnahme.

Gespräch: Volker Danisch, dpa
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