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Der Kampf gegen den Kollaps: Können die EU und Asien ihn abwenden? Von Andreas Landwehr und Marc-Oli
Peking (dpa) - "Der Welt geht es schlecht", sagte EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy. "Ihr geht es schlecht, weil sie einer Krise gegenübersteht, die noch nie dagewesen ist in ihrer Schwere, in ihrer Abruptheit und in ihrem Ablauf." Die Europäische Union (EU) und Asien sind sich der Gefahren bewusst und machen jetzt Tempo. Auf dem Asien- Europa-Gipfel (ASEM) in Peking einigten sich die 43 Staaten auf eine gemeinsame Antwort, um nicht nur die Symptome zu kurieren, sondern auch die Ursachen zu beheben, damit sich eine solche Krise nicht wiederholen kann. Noch nie war der ASEM-Gipfel so groß, noch nie waren die Probleme so gewaltig und noch nie war das Treffen so wichtig. Während die USA in einer Art Machtvakuum stecken - US- Präsident George W. Bush ist bald nicht mehr im Amt, sein Nachfolger noch nicht gewählt -, gehen die ASEM-Staaten bereits mit einer abgestimmten Haltung in den Weltfinanzgipfel Mitte November in Washington.

Die Vorzeichen sind schlecht. Die Börsen trudeln. Trotz zahlreicher Banken-Rettungspakete in der EU und den USA ist die Angst vor einer wirtschaftlichen Talfahrt groß. Zuversicht ist es, was die 43 Staaten vermitteln wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist sich bewusst, dass die bisherigen Anstrengungen noch nicht die erhoffte Besserung gebracht haben. Irritiert zeigte sich Merkel, dass deutsche Banken noch zögern, das so eilig verabschiedete milliardenschwere Hilfspaket auch in Anspruch zu nehmen und dass zum Leidwesen der Wirtschaft wertvolle Zeit verstreicht. "Wenn wir uns unser deutsches Paket anschauen, dann ist es da, aber noch nicht so genutzt, wie vielleicht viele es nutzen wollen und aus meiner Sicht auch nutzen sollten." Zum DAX-Absturz am Freitag sagte sie: "Das zeigt nach wie vor die Unsicherheit, ob die Symptome der Krise schon überwunden sind." Alle Blicke richten sich jetzt auf den Weltfinanzgipfel am 15. November.

Europa und Asien wollen das Finanzsystem kurieren - und dies schnell. Mehr Kontrolle, mehr Transparenz, weniger Risiken und bessere Absicherungen - das ist es, was die 43 ASEM-Staaten vorhaben. Der indische Premierminister Manmohan Singh kritisierte den bisherigen "Kasino"-Kapitalismus und das "eklatante Versagen der Aufsichtsorgane". Auch internationale Finanzinstitutionen wie der Währungsfonds (IWF) hätten sich in der Krise nicht mit Ruhm bekleckert, meinte Singh. Die Kanzlerin, die sichtlich beeindruckt war von den Analysen des ehemaligen Finanzministers Indiens, nutzte noch in der Abschlusssitzung des Gipfels in der Großen Halle des Volkes ihre letzten freien Minuten, um sich mit Singh auszutauschen.

Wie kann diese Reform nun aussehen und was kann sie bewirken? Ein erster Eckpfeiler soll die schärfere Aufsicht über die Finanzmärkte und ihre Geschäfte sein. Nach Ansicht von Merkel sollte das - trotz einiger Bedenken einiger Staaten - der Weltwährungsfonds übernehmen. Ob der IWF selbst zu einem "Wächter" wird oder in eine neu zu schaffende Organisation eingebunden wird, ist offen. Als Vorbild könnte die Welthandelsorganisation (WTO) dienen, die als Schiedsgericht unabhängig entscheiden und auch Strafmaßnahmen gegen Länder verhängen kann. Bundespräsident Horst Köhler hatte in seiner Zeit als IWF-Direktor bereits an einer Reform und Stärkung des Weltwährungsfonds gearbeitet, doch nach seinem Weggang aus Washington verlief sein Vorhaben im Sande.
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