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Stimmung in der Wirtschaft so düster wie seit Jahrzehnten nicht mehr


München/Halle (dpa) - Die Rezession hat die deutsche Wirtschaft zum Jahreswechsel voll erfasst und die Stimmung der Unternehmen auf den tiefsten Stand seit 26 Jahren gedrückt. Der Geschäftsklimaindex sei von 85,8 Punkten im Vormonat auf 82,6 Punkte eingebrochen, teilte das ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Donnerstag in München mit. "Einen ähnlich niedrigen Wert hatte der Index in der zweiten Ölkrise Ende 1982", sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Vor allem in der Industrie droht nach Ansicht der Konjunkturforscher weiterer Arbeitsplatzabbau. Einige Institute wie das IWH in Halle revidierten ihre bisherigen Prognosen und zeichneten am Donnerstag ein noch düstereres Zukunftsbild. Optimistischer gab sich lediglich das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in Berlin.

Im Dezember verschlechterten sich vor allem die Urteile der Unternehmen zur derzeitigen Geschäftslage, aber auch die Zukunftsaussichten trübten sich weiter ein. Der Index für die aktuelle Lage brach von 94,9 auf 88,8 Punkte ein, und der Indikator für die Erwartungen ging von 77,6 auf 76,8 Punkte zurück. Das ifo Institut ermittelt den Geschäftsklimaindex aus der monatlichen Befragung von rund 7000 Unternehmen aus mehreren Branchen.

"Der Abschwung hat vor allem die Hersteller von Export- und Investitionsgütern erfasst, bislang weniger den Einzelhandel und das Baugewerbe", sagte Sinn. Volkswirte waren ursprünglich von einem deutlich schwächeren Rückgang des Konjunkturbarometers ausgegangen.

"Die deutsche Wirtschaft ist in einer Rezession jetzt im Winter und sicher auch noch im Frühjahr", sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger. "Einen Aufschwung sehen wir noch lange nicht, weil im internationalen Umfeld nicht ersichtlich ist, wer dazu das Signal geben sollte." Bis Ende 2009 geht das ifo Institut von rund einer halben Million mehr Arbeitslosen aus.

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet für dieses Jahr jetzt nur noch mit einem Wachstum von 1,4 Prozent, Anfang September waren noch 1,8 Prozent erwartet worden. 2009 werde das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein Minus von 1,9 Prozent aufweisen, zuvor war das IWH noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen. Das BIP drückt die volkswirtschaftliche Gesamtleistung aus. Die Beschäftigung wird nach Ansicht des IWH im nächsten Jahr um 620 000 Menschen sinken: "Die schwere Krise des Weltfinanzsystems hat auch Deutschland in eine tiefe Rezession gestürzt."

Konjunkturpolitische Maßnahmen dürften den Abbau von Arbeitsplätzen hinauszögern. Am Ende des Jahres 2009 sind laut der Prognose 39,8 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig und 3,7 Millionen Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote werde 2009 auf 8,1 Prozent steigen, nach 7,5 Prozent in diesem Jahr. Mittelfristig rechnet das IWH mit einem Wachstum der deutschen Wirtschaft in den Jahren 2010 bis 2013 von durchschnittlich eineinhalb Prozent. Erste Impulse würden dafür vom Außenhandel kommen.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln erwartet für 2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,5 bis 2 Prozent. Die Prognosen seien derzeit wegen der dynamischen Veränderungen sehr unsicher, sagte IW-Direktor Michael Hüther am Donnerstag. "Klar ist: Wir kommen an einer merklichen Schrumpfung 2009 nicht vorbei." Im November war das arbeitgebernahe Institut noch von einem Rückgang um knapp 0,5 Prozent ausgegangen. Als Gegenmaßnahme schlug Hüther ein Konjunkturpaket vor, das neben Investitionen auch Senkungen des Einkommenssteuersatzes und der Krankenkassenbeiträge enthalten solle.

Optimistischere Töne schlug das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler- Stiftung in Berlin an. Mit einem kräftigen Konjunkturprogramm von bis zu 50 Milliarden Euro könne Deutschland den Sturz in die Rezession noch vermeiden, hieß es am Donnerstag. Damit könne die Wirtschaft so stark belebt werden, dass 2009 statt eines Einbruchs um 1,8 Prozent sogar ein Prozent Wachstum entstünde. Im Idealfall bliebe statt eines tiefen Einschlags bei vertretbaren Kosten nur eine Delle übrig, sagte der wissenschaftliche IMK-Direktor Gustav Horn. Erforderlich sei aber eine "ausreichende Größe" des Programms von 50 Milliarden Euro. dpa kk/cs/sam/pb yyzz z2 bb
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