logo
Home
Mein Depot
 Name, WKN, ISIN
LSR
Gewerkschaften haben in Ost-Betrieben wenig Rückhalt


Jena (dpa) - Die Gewerkschaften haben einer Studie zufolge in ostdeutschen Betrieben nur geringen Rückhalt. Von den Betriebsräten im Osten trauen sich lediglich gut 20 Prozent zu, ihre Belegschaft für gewerkschaftliche Ziele mobilisieren zu können, wie eine Umfrage des Jenaer Arbeitssoziologen Klaus Dörre bei mehr als 400 Betriebsräten ergab. Zugleich fanden sich überdurchschnittlich viele Betriebsräte, die anti-gewerkschaftlich eingestellt waren. Im Osten könnte gar ein gewerkschaftsfreier Raum entstehen, erklärte Dörre am Montag in einer Mitteilung der Friedrich-Schiller-Universität.

Die Krise der Gewerkschaftspolitik zeige sich etwa in der Zunahme betrieblicher Vereinbarungen, die von Flächentarifverträgen abweichen. So werde die lose Tarifbindung im Osten anders als im Westen weitgehend akzeptiert. Im Vergleich zu den alten Bundesländern engagierten sich die Betriebsräte im Osten nur halb so oft in gewerkschaftlichen Arbeitskreisen oder Ämtern. Mehr als 30 Prozent vertraten die Ansicht, dass der Betriebsrat nicht unbedingt einer Gewerkschaft angehören müsse.

"Die Mehrheit der Betriebsräte konzentriert sich auf die Pflege eines guten Verhältnisses mit der jeweiligen Geschäftsführung oder betreibt ein klassisches Co-Management", konstatierte der Experte. Daher seien die Vertreter der Belegschaft häufiger zu Zugeständnissen bereit. Von einem "Ende der Gewerkschaften" im Osten wollte er aber nicht sprechen. Vielmehr rät er den Gewerkschaften zu neuen innovativen Konzepten, um die Krise zu überwinden. "Dann könnten Tarifrunden für die Arbeitnehmer in Zukunft vielleicht wieder erfreulicher ausfallen."

Für die Studie über die sich wandelnden Beziehungen zwischen Betriebsräten und Gewerkschaften wurden auch Experteninterviews mit führenden Gewerkschaftern, Lokalpolitikern und Wirtschaftsförderern geführt. Gefördert wurde das Vorhaben von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und der Otto-Brenner-Stiftung der IG Metall. dpa ah yyth n1 gö

 << zurück zur Übersicht