logo
Home
Mein Depot
 Name, WKN, ISIN
LSR
EZB-Präsident signalisiert Zinssenkung - Preise bleiben stabil


Frankfurt/Madrid (dpa) - Angesichts der drohenden Wirtschaftskrise hat die Europäische Zentralbank (EZB) weiter sinkende Leitzinsen signalisiert. Man könnte eine Senkung auf der nächsten Sitzung des Notenbankrats am 6. November beschließen, weil sich die Gefahr eines deutlichen Anstiegs der Verbraucherpreise verringert habe, sagte EZB- Präsident Jean-Claude Trichet am Montag in Madrid laut einer auf der EZB-Webseite veröffentlichten Rede. "Es ist keine Gewissheit, es ist eine Möglichkeit", sagte Trichet vor Vertretern der spanischen Wirtschaft.

Die Gefahr eines massiven Anstiegs der Verbraucherpreise sei nach neuen Daten nicht mehr so groß, weil die Rohstoffpreise rückläufig seien und es in der Wirtschaft eine abnehmende Nachfrage gebe, sagte Trichet. Auch bei der nächsten Sitzung müsse der EZB-Notenbankrat zu den 320 Millionen Bürgern in der Euro-Zone aber sagen können: "Sie können darauf vertrauen. Wir werden Preisstabilität abliefern." Die EZB sieht die Preisstabilität bei einer mittelfristigen Rate von knapp unter zwei Prozent als gewahrt an. Im September lag sie in den 15 Euro-Länder allerdings bei 3,6 Prozent, das waren 0,2 Punkte unter dem Augustwert.

Nach Einschätzung der Commerzbank hat Trichet damit ein klares Signal für eine mögliche Leitzinssenkung Anfang November gegeben. Die Aussagen seien ungewöhnlich klar, hob Commerzbank-Experte Michael Schubert in einer Schnellstudie hervor.

Niedrige Zinsen der Notenbanken können die wirtschaftliche Entwicklung stimulieren, gleichzeitig bedeuten sie aber eine Gefahr für ein Ansteigen der Inflation. Die EZB sieht es als ihre zentrale Aufgabe an, Geldwertstabilität zu garantieren.

Trichet verwies darauf, dass seit der Zinssenkung am 8. Oktober neu hinzugewonnene Informationen weniger Gefahren für übermäßig stark steigende Verbraucherpreise zeigten. Die EZB hatte ihren Leitzins zuletzt am 8. Oktober gemeinsam mit mehreren anderen Notenbanken um 0,5 Prozentpunkte gesenkt und dabei auf die gesunkenen Risiken für die Preisstabilität verwiesen. In der Eurozone liegt der Leitzins nun bei 3,75 Prozent.

Trichet sagte weiter, die starken Aufforderungen der EZB unter anderem an Gewerkschaften, keine Preisspirale entstehen zu lassen, seien "nicht nur gehört, sondern auch verstanden worden" angesichts der gegenwärtigen Umstände. Zugleich wiederholte er seinen Appell in dieser Hinsicht. Gefahr für Preisstabilität besteht nach Einschätzung von Volkswirten vor allem dann, wenn sich die Preise für Produkte und Löhne in einer Spirale immer stärker aufschaukeln.
 << zurück zur Übersicht