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US-Aufsicht prüfte Madoff mehrfach erfolglos - Anhörung


Washington/New York (dpa) - Im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte an der New Yorker Wall Street kommen immer neue Pannen der US-Aufsicht ans Licht. Die Behörden hätten die Geschäfte des Brokers Bernard Madoff allein in den vergangenen 16 Jahren mindestens achtmal unter die Lupe genommen, berichtete das "Wall Street Journal" am Montag. Dennoch flog das wohl 50 Milliarden Dollar schwere "Schneeball-System" mit vielen Geschädigten auch in Europa nicht auf.

Inzwischen beschäftigen die Versäumnisse etwa der Börsenaufsicht SEC auch die Politik. Im Finanzausschuss des US-Abgeordnetenhauses fand am Montag eine Anhörung zu dem Mitte Dezember von Madoff selbst gestandenen Betrugsfall statt. Der scheidende SEC-Chef Christopher Cox hatte bereits Fehler seiner Behörde eingeräumt und eine interne Untersuchung angeordnet. Ehemalige Wettbewerber Madoffs und Insider hatten die Kontrolleure Berichten zufolge jahrelang mit Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten versorgt.

In der Anhörung am Montag kündigte SEC-Generalinspekteur David Kotz an, die internen Untersuchungen seines Büros würden noch über den von Cox erteilten Ermittlungsauftrag hinausgehen. Demnach sollen auch Kontakte zwischen Mitarbeitern seiner Behörde und der Madoff-Familie unter die Lupe genommen werden. Kotz argwöhnt, dass berufliche und "soziale" Beziehungen zu Madoff das Verhalten der Kontrolleure beeinflusst haben könnten. Nach einer Anordnung des Generalinspekteurs muss der SEC-Mitarbeiterstab dem Untersuchungsteam bis zum 16. Januar alle Unterlagen zu Madoff übergeben. Zum Auftakt der Anhörung hatte der demokratische Abgeordnete Paul Kanjorski von einem "kläglichen Versagen" des Aufsichtssystems gesprochen und einschneidende Reformen gefordert.

Der 70-Jährige Madoff hatte seinen Opfern jahrzehntelang beständig hohe Gewinne versprochen, die er in Wirklichkeit gar nicht erzielt haben soll. An die Investoren schüttete er stattdessen Geld aus, das er von immer neuen Anlegern bekam - ein sogenanntes "Schneeball- System". Der einst angesehene New Yorker Geschäftsmann steht derzeit unter Hausarrest in seinem Luxus-Appartement in Manhattan. Am Montag erschien er zu einem Hearing vor Gericht.

Auch bei zahlreichen großen Wall-Street-Banken blinkten laut Medienberichten bereits frühzeitig die Warnlampen. Madoffs Rendite- Versprechen seien etwa den Investmentbanken Goldman Sachs und Merrill Lynch schon lange verdächtig vorgekommen, so die "Financial Times" am Montag. Die Häuser machten demnach zwar für sich und ihre Kunden keine Geschäfte mit Madoff, sie hätten die Behörden aber nicht über ihre Bedenken informiert.
dpa ch/fd xx z2 mu
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