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Merkel will Vorreiterin bei Krisenbekämpfung in der EU werden
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will nach internationaler Kritik an ihren zurückhaltenden Finanzhilfen wieder Vorreiterin bei der Krisenbekämpfung in der EU werden.

Paris/Berlin (dpa) - In Paris präsentierte sie Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Donnerstag ihre Vorschläge für das zweite Konjunkturpaket in Deutschland, das am Montag auf den Weg gebracht werden soll. Am Nachmittag wollte sie den britischen Premierminister Gordon Brown und andere EU-Regierungschefs ebenfalls informieren.

Nach der Verabschiedung durch die Koalitionsspitze sind nach dpa- Informationen Wirtschaftsfachleute aller EU-Regierungen nach Berlin eingeladen worden, um sich über das deutsche Vorgehen zur Dämpfung der Konjunkturkrise zu informieren.

Sarkozy begrüßte das Vorgehen Merkels ausdrücklich. "Angela arbeitet, ich denke darüber nach", sagte er in Anspielung auf seine frühere Bemerkung: "Frankreich arbeitet daran, in Deutschland denkt man nach." Dies war als Kritik an Merkels angeblich zögerlicher Antwort auf die Finanzkrise interpretiert worden. Sarkozy hatte Merkel und den britischen Ex-Premierminister Tony Blair zu einer Tagung unter dem Motto "Neue Welt, neuer Kapitalismus" nach Paris eingeladen.

"Es ist wichtig, dass jedes Land seiner Rolle gerecht wird", sagte Merkel in Paris. "Wir wollen gestärkt aus der Krise hervorgehen." Sie stellte insbesondere die strukturellen Vorschläge des neuen Konjunkturpakets in Deutschland in den Vordergrund. Als Beispiele nannte sie die geplanten Regelungen zu Kurzarbeitergeld und zur Kreditvergabe. Sarkozy zeigte sich besonders interessiert an den deutschen Plänen zur Versorgung von Wirtschaftsunternehmen mit Krediten.

Nach den Wochen der starken Konzentration auf die innenpolitischen Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise will Merkel offenbar jetzt wieder verstärkt in der Wirtschafts- und Finanzpolitik international präsent sein. In Paris schlug sie die Einrichtung eines einflussreicheren Wirtschaftsrats bei den Vereinten Nationen und eine internationale Charta für wirtschaftliches Handeln vor.

Merkel lud auch zu einem europäischen Vorbereitungstreffen für den nächsten G20-Gipfel nach Berlin ein. Anfang April in London treffen sich die 20 wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt, um Maßnahmen zur Neuordnung der Finanzmärkte zu beschließen. Merkels Initiative dazu ist bereits mit der britischen Regierung abgestimmt.

Die Kanzlerin bedauerte in Paris die Schuldenberge, die angesichts der Krise angehäuft werden. Deutschland werde zwar "alle Spielräume des Maastrichter Vertrags ausschöpfen" und ein neues Paket auflegen, sagte sie. Aber sobald die Finanzmärkte wieder funktionierten, sei politischer Wille nötig, um nicht allzu große Risiken einzugehen. Es sei wichtig, Maß zu halten, auch beim Blick auf den eigenen Haushalt, mahnte Merkel. "Ich werde hart sein", betonte sie.

Deutschland und Frankreich würden sich bei der Überwindung der Finanzkrise ergänzen, resümierte Merkel. Jedes Land solle mit seinen Möglichkeiten auf die Krise reagieren. Sie verlangte eine enge Zusammenarbeit etwa bei der Autoindustrie. Die Autobranche werde in den USA stark unterstützt. "Aber wir sind selbstbewusst genug: Bei uns wurde das Auto erfunden, wir werden auch das Auto des 21. Jahrhunderts bauen", fügte sie hinzu.
dpa rf/uk yydd z2 ll
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