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Neues Zinstief, neues Geld? Londons verzweifelter Kampf gegen Krise Von Thomas Pfaffe, dpa



London (dpa) - Zinsen auf Rekordtief, Milliarden-Spritzen für die Banken und Mehrwertsteuer gekappt. Mit immer neuen Notoperationen und Rettungsplänen versuchen die britische Regierung und die Bank von England seit Monaten verzweifelt, die Wirtschaft im Königreich wieder in Gang zu bringen und das Ungeheuer der Rezession zu bändigen. Doch egal was Premierminister Gordon Brown oder Notenbank-Chef Mervyn King auch tun, die Hiobsbotschaften aus der Bankenwelt, vom Einzelhandel oder dem Immobilienmarkt reißen nicht ab. Die Kreditvergabe lahmt, zu tausenden werden täglich Stellen gestrichen und die Preise für Häuser rauschen weiter in den Keller. Und langsam gehen Politik und Notenbank die finanzpolitischen Instrumente aus.

Nach beispiellosen Abwärtssprüngen seit Oktober erreichte der Leitzins am Donnerstag mit 1,5 Prozent den tiefsten Stand in der 315- jährigen Geschichte der Bank von England. Doch obwohl die Kredite immer billiger werden, kommt das Geld nicht in der darbenden Wirtschaft an. Die einst so großzügigen Kreditinstitute sind nach dem Kollaps des Finanzplatzes London knausrig geworden. Zu allem Übel leiden Millionen von Sparern darunter, dass ihr Geld auf den Konten kaum noch mehr Gewinne bringt, als würden sie es zu Hause in den Safe legen.

Zwar wurde durch die Teilverstaatlichung dreier Großbanken mit Steuermilliarden ein Zusammenbruch der Kreditinstitute verhindert, der Geldfluss kam indes nicht wieder recht in Gang. Und auch die Hoffnung, dass nach der Senkung der Mehrwertsteuer um 2,5 Punkte die Verbraucher das gesparte Geld ausgeben, hat sich nicht erfüllt.

Aus Angst vor noch schlimmeren Auswüchsen der Rezession halten die Menschen das wenige Geld, was sie überhaben, zusammen. Dagegen tickt die Schuldenuhr des Staates immer schneller. Finanzminister Alistair Darling rückte mittlerweile auch schon von seiner Prognose ab, dass es in der zweiten Jahreshälfte wieder aufwärtsgehen könnte.

Nachdem alle Maßnahmen kaum etwas gebracht haben und die Notenbank auch bald nicht mehr an der Zinsschraube drehen kann, könnten jetzt weitere Schranken fallen. Laut britischen Medien erwägt die Regierung noch mehr frisches Geld zu drucken, um zusätzliche Milliarden in die schwache Wirtschaft pumpen und Banken faule Kredite abkaufen zu können. Dann hätten die Banken für neue Leihgeschäfte den Rücken wieder frei. Finanzminister Darling sprach von einer "hypothetischen" Diskussion.

Die mit einem solchen Schritt verbundenen Inflationsrisiken werden derzeit im Königreich mit weniger Sorge als eine mögliche Deflation betrachtet, bei der die Preise über einen längeren Zeitraum permanent zurückgehen, die Verbraucher daher mit immer weiteren Preissenkungen rechnen und sich mit Anschaffungen zurückhalten. Dagegen sind die Briten in punkto Geldentwertung derzeit vorübergehend beruhigt - zumindest mit Blick auf das Verhältnis zum Euro.

Nachdem das Pfund im Jahr 2008 im Vergleich zur europäischen Einheitswährung dramatisch an Wert eingebüßt und am letzten Handelstag des alten Jahres nur noch 1,04 Euro kostete, konnte sich die britische Währung nun zum Jahresbeginn 2009 zumindest wieder leicht erholen. Und ausgerechnet nach der historischen Zinssenkung um 0,5 Punkte auf 1,5 Prozent erreichte das Pfund mit 1,12 Euro seinen besten Wert seit einem Monat - Analysen hatten nämlich zuvor nicht ausgeschlossen, dass die Bank von England die Zinsen noch stärker senken und das Pfund damit noch mehr schwächen könnten.
dpa pf xx a3 bb
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