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Deutsche Wirtschaft fürchtet Rezession - Stimmung bricht weiter ein

München (dpa) - Die wachsenden Sorgen vor einer Rezession haben die Stimmung in der deutschen Wirtschaft auf den tiefsten Stand seit fast fünfeinhalb Jahren gedrückt. Der Geschäftsklimaindex des Münchner ifo Instituts für Wirtschaftsforschung fiel im Oktober überraschend deutlich von 92,9 Punkten im Vormonat auf 90,2 Punkte. Die meisten Experten hatten mit einem geringeren Rückgang des Konjunktur-Barometers gerechnet. Während die Einschätzungen zur gegenwärtigen Geschäftslage nahezu gleich blieben, blicken die befragten Firmen deutlich pessimistischer in die Zukunft. "Die deutschen Unternehmen stellen sich auf eine rückläufige Geschäftstätigkeit ein", erklärte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn laut Mitteilung in München.

Der ifo-Index, der im Oktober zum fünften Mal in Folge nachgab, gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Monatlich befragt das ifo Institut rund 7000 Firmen aus Industrie, Bauwirtschaft, Groß- und Einzelhandel nach ihren Einschätzungen zur derzeitigen Geschäftslage und nach den Zukunftsperspektiven. Im Oktober verbesserte sich der Lage-Index leicht von 99,8 auf 99,9 Punkte. Der Erwartungs-Index dagegen fiel deutlich von 86,5 Punkten im Vormonat auf 81,4 Punkte.

Vor allem in der Industrie kühlte sich das Klima im Oktober weiter ab. Angesichts einer zunehmenden weltweiten Nachfrageschwäche stellten sich die Unternehmen auf rückläufige Exporte ein, sagte der ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Produktionskapazitäten der Unternehmen seien spürbar weniger ausgelastet. Deshalb planten die Industrie-Firmen auch nicht mehr mit zusätzlichem Personal.

Aber auch im Baugewerbe sowie im Einzel- und - noch deutlicher - im Großhandel trübte sich die Stimmung ein. Zwar hätten sich die Einzelhandels-Umsätze im Oktober der Befragung zufolge positiv entwickelt, sagte Nerb. Offenbar fürchteten aber viele Einzelhändler, dass die Verbraucher im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft ihr Geld angesichts der Finanzkrise lieber zusammenhalten. Am Arbeitsmarkt dürften sich die trüben Konjunkturaussichten vor allem bei den Zeitarbeitsfirmen bemerkbar machen, erwartet Nerb. "Das ist der Preis der Flexibilisierung." Viele Leiharbeit-Unternehmen müssten sich derzeit für ihre Beschäftigten nach anderen Einsatzmöglichkeiten umschauen.

ifo-Chef Sinn, der zurzeit wegen seines Vergleichs der Judenverfolgung mit der aktuellen Diskussion um die Verantwortung von Managern in der Finanzkrise in der Kritik steht, hatte bereits in der vergangenen Wochen erklärt, Deutschland stehe am Rande einer Rezession, die Konjunktur sei "im Keller". Zwar sei dank weltweiter staatlicher Rettungspakete mit einem Gesamtvolumen von 2,4 Billionen Euro eine "Kernschmelze des Finanzwesens" und der Zusammenbruch weiterer Banken abgewendet. Nicht überwunden sei aber das Problem der Wirtschaftskrise. "Für das kommende Jahr kann man sicherlich noch keinerlei Entwarnung im konjunkturellen Geschehen ankündigen", hatte Sinn erklärt.
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