logo
Home
Mein Depot
 Name, WKN, ISIN
LSR
Stichwort: "Kalte Progression" und "Mittelstandsbauch"


Berlin (dpa) - In der Debatte um Steuerentlastungen mit einem zweiten Konjunkturpaket fallen immer wieder die Begriffe "kalte Progression" und "Mittelstandsbauch" oder "Tarifknick". Dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Probleme des Steuersystems, die aber beide Folge der progressiv steigenden Steuersätze sind.

Für jeden über dem Grundfreibetrag von 7664 Euro verdienten Euro ist im deutschen Steuersystem ein eigener, höherer Steuersatz fällig. Er fängt für Ledige mit 15 Prozent bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 7665 Euro an und beträgt bei 52 152 Euro 42 Prozent. Bei Top-Verdienern ist von 250 001 Euro an (Ledige) ein "Reichensteuer"-Satz von aktuell 45 Prozent fällig.

Die "kalte Progression" ist eine Art heimliche Steuererhöhung - Lohnzuwächse werden durch die höhere Einkommensteuerbelastung zu großen Teilen aufgezehrt. Der progressive Einkommensteuertarif führt dazu, dass der Steuerzahler einen zunehmenden Anteil des Einkommens an den Fiskus abzuliefern hat. Bei niedrigeren Einkünften schlägt dies durch den anfangs starken Tarifanstieg deutlich stärker zu Buche als bei hohen Einkünften. Besonders problematisch ist dies, wenn mit nominalen Lohnerhöhungen lediglich die Preissteigerung ausgeglichen wird (Inflation) und dann allenfalls der Fiskus profitiert.

Bei proportional steigenden Einkommensteuertarifen würde es das Phänomen der "kalten Progression" nicht geben. Der Gesetzgeber hat sich aber wegen des Gebots der Besteuerung nach Leistungsfähigkeit für den linear-progressiven Einkommensteuertarif entschieden. Ein Ausgleich der Folgen der "kalten Progression" wäre durch eine automatische Inflationsanpassung möglich, durch Anhebung der Tarifstufen im Ausmaß der Teuerung - den "Tarif auf Rädern".

Von der Debatte um die Beseitigung der "kalten Progression" zu unterscheiden ist die geforderte Glättung des "Mittelstandsbauchs". Der entsteht, weil der progressive Steuertarif zwischen 15 und 42 Prozent nicht gleichmäßig steigt, sondern bis zu einem Einkommen von 12 739 Euro sehr steil. Bereits von 12 740 Euro an verlangt der Fiskus 24 Prozent. Nach diesem "Knick" verläuft die Kurve wesentlich flacher, bis bei 52 152 Euro ein Satz von 42 Prozent gilt.

Folge des "Mittelstandsbauchs" ist, dass vor allem kleinere und mittlere Einkommen im Vergleich zu höheren Einkommen proportional höher belastet werden. Eine vollständige Begradigung der Tarifkurve würde zu Steuermindereinnahmen für die Staatskassen von 25 Milliarden Euro führen. Eine "Glättung" und Abflachung der Kurve wäre billiger und würde auch das Problem der "kalten Progression" mindern. dpa sl yydd w4 li
 << zurück zur Übersicht