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"Spiegel": Viele Mittelständler in Liechtenstein-Affäre verwickelt


Hamburg/Rostock (dpa) - Auf einer Liste aus Liechtenstein mit Namen mutmaßlicher Steuerhinterzieher aus Deutschland finden sich nach "Spiegel"-Informationen viele Mittelständler und Freiberufler. Das Dokument mit den Kontodaten von Kunden der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) führe unter anderen Ärzte, Apotheker, Ingenieure, Juristen und Professoren auf. Auch ein Lokalpolitiker der Grünen sei dabei, berichtet das Magazin. Bankkunden, die ihren Beruf bei der Kontoeröffnung nicht angegeben hätten, ließen sich unschwer über Datenbanken ihrem jeweiligen Gewerbe zuordnen - beispielsweise Inhaber von Autohäusern oder Immobilienfirmen.

Im Rostocker Prozess um die mutmaßliche Erpressung der LLB hatte die Verteidigung des Hauptangeklagten Michael F. im August mehr als 2000 Kontobelege an die Staatsanwaltschaft übergeben. Die Behörde leitete daraufhin im September 966 Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung ein. Die Kontobelege wiesen insgesamt ein Kapitalanlagevolumen von mehr als einer Milliarde Euro sowie die daraus erzielten Zinseinkünfte auf, teilte die Staatsanwaltschaft seinerzeit mit. Lediglich in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen- Anhalt seien keine LLB-Kontoinhaber ermittelt worden.

Die Liechtensteiner Liste gibt laut "Spiegel" Auskunft über rund 1000 Deutsche, von denen sich viele noch schnell selbst anzeigten. Jeder Datenblock enthalte Name, Vorname, Titel und die genaue Adresse. Auch einige Kontokennwörter zitiert das Magazin aus der Liste.

Die Anklagebehörde hatte Anfang vergangener Woche für F. wegen gewerbs- und bandenmäßiger Erpressung in einem besonders schweren Fall sechs Jahre und acht Monate Haft gefordert, die beiden anderen Angeklagten sollen für jeweils drei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Die Verteidigung hat für alle drei Angeklagten Freispruch gefordert. Die Urteile sollen am 23. Januar gesprochen werden. Das Landgericht hatte im Dezember angekündigt, die Übergabe der Kontodaten werde sich für den Hauptangeklagten "erheblich strafmildernd auswirken".

Die drei Angeklagten sollen sich auf bislang nicht bekanntem Weg rund 2300 LLB-Kontobelege mutmaßlicher deutscher Steuersünder beschafft haben, um damit die Bank und vier ihrer Kunden zu erpressen. F. hatte den Handel mit den Daten gestanden, eine Erpressung aber bestritten. Die LLB hatte für die Rückgabe eines Teils der Kontodaten in den Jahren 2005 und 2007 Zahlungen in Höhe von rund neun Millionen Euro geleistet.
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