logo
Home
Mein Depot
 Name, WKN, ISIN
LSR
Was haben Land und Leute vom Konjunkturpaket II?


Berlin (dpa) - Mit dem größten Konjunkturprogramm der Nachkriegszeit nimmt die Koalition gigantische Beträge in die Hand, um die Wirtschaftskrise abzumildern.

Wie viel Euro hat der einzelne Bürger durch die Steuer- und Abgabensenkungen mehr in der Tasche?

Die Experten von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) haben die Entlastungen überschlagen: Ein Single ohne Kinder mit 30 000 Euro Jahreseinkommen spart rund 269 Euro pro Jahr. Verdient er doppelt so viel, sind es 406 Euro. Alleinerziehende mit einem Kind kommen bei diesen Verdiensten auf 264 beziehungsweise 405 Euro. In Familien, wo der Vater arbeitet und die Mutter sich um die zwei Kinder kümmert, sind es bei 30 000 Euro Einkommen 314 Euro, bei 60 000 Euro rund 494 Euro Entlastung.

Ist der Kinderbonus von 100 Euro ein verkappter Konsumscheck?

Ja. Davon profitieren direkt vor allem Familien mit niedrigen Einkommen. Bei Besserverdienern wird der Bonus in der Steuererklärung mit dem Kinderfreibetrag verrechnet. Der einmalige Bonus soll schon im März oder April unkompliziert mit dem Kindergeld überwiesen werden.

Fallen die Verbraucher jetzt in einen Konsumrausch und kurbeln die Wirtschaft an?

Das hofft die Koalition. In der Vergangenheit brachten aber selbst große Steuerprogramme und Einmalzahlungen meist nicht den gewünschten Erfolg. In den USA überwies die Bush-Regierung im Sommer 2008 rund 70 Millionen Amerikanern je knapp 1000 Dollar. Der große Nachfrageschub blieb aus. Gerade in Krisenzeiten scheuen die Verbraucher größere Anschaffungen. Wer es sich leisten kann, spart.

Besonders mies geht es den Autobauern. Wie will der Staat ihnen helfen?

Schon im Konjunkturpaket I gab es einen Steuerbonus. Wer einen Öko-Neuwagen kauft, zahlt bis zu zwei Jahre keine Kfz-Steuer. Bei Klein- und Mittelklasse-Wagen bringt das aber nicht viel. Um den dramatischen Absatzrückgang der wichtigsten Industrie-Branche zu stoppen, haben Union und SPD nachgelegt. Wer seinen alten Stinker verschrottet und auf einen Neuwagen umsteigt, bekommt einen Zuschuss von 2500 Euro.

Die deutschen Autobauer wollen doch vor allem teure Limousinen verkaufen, was haben sie von der Prämie?

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer hält den Zuschuss für ein Konjunkturprogramm für die Autobauer aus Frankreich, Italien und Asien auf Kosten der deutschen Steuerzahler. "Die Gewinner sind die Hersteller von preisgünstigen und kleinen Autos. Fast 90 Prozent der Autos unter 10 000 Euro kommen von den Importeuren."

Gibt es Branchen, die direkt von den Milliarden-Hilfen profitieren?

Ja, die Baubranche und viele Handwerksbetriebe. Bund, Länder und Kommunen wollen in den nächsten zwei Jahren 18 Milliarden Euro in die Infrastruktur stecken. Der Bau von Straßen, Schulen, Sporthallen, Kindergärten und Spielplätzen sichert Jobs und erhöht die Lebensqualität der Bürger.

Was halten Ökonomen von den Beschlüssen?

Der Chef der Wirtschaftsweisen Bert Rürup rechnet damit, dass das Paket den Wirtschaftseinbruch um etwa 0,5 Prozent abschwächt. Auch sein Kollege Peter Bofinger ist optimistisch. Die Maßnahmen hätten das Zeug, die Rezession zu dämpfen. Das Münchner ifo-Institut hält dagegen. So schnell werde Deutschland nicht aus dem Abschwung kommen - egal, was der Staat dagegen unternimmt.

Wann kommt das Konjunkturpaket III?

Ausgeschlossen ist das nicht. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte, keiner weiß, was in den nächsten Krisenmonaten auf Deutschland noch zukommt. Viel Spielraum hat der Staat nicht mehr, wenn er sich an den europäischen Schuldenpakt halten will. Der Neuverschuldung des Bundes steigt nach den Paketen I und II 2009 wohl auf den Rekordstand von 60 Milliarden Euro. Bislang war der damalige Finanzminister Theo Waigel (CSU) 1996 mit gut 40 Milliarden Euro Schuldenmeister der Nation.
dpa tb/sl yydd w4 as
 << zurück zur Übersicht