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Deutsche Wirtschaft im Jammertal: Schwerste Rezession nach dem Krieg Von Harald Schmidt, dpa



Frankfurt/Main (dpa) - Die Horrormeldungen aus der deutschen Wirtschaft reißen nicht ab. Großbanken brauchen Kapital vom Staat, um Überleben zu können, oder häufen in einem einzigen Quartal Milliardenverluste an. Automobilherstellern laufen die Kunden weg. Selbst Waren "Made in Germany" sind derzeit im Ausland kein Selbstläufer: Die Exporte sanken im November so stark wie seit 15 Jahren nicht mehr. Und auch der bisher optimistische deutsche Maschinenbau wartete am Mittwoch mit einer Hiobsbotschaft auf: Der Auftragseingang brach im November um 30 Prozent ein. Noch nie hätten die Aufträge aus dem In- und Ausland gleichzeitig in dieser Größenordnung nachgegeben, sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

Doch das Tal der Tränen ist noch lange nicht durchschritten. Es kommt nach Meinung von Volkswirten noch viel schlimmer. Längst haben die Experten ihre eigenen, nur wenige Wochen alten Prognosen revidiert: Und zwar durch die Bank nach unten. Dass die Ökonomen Mitte November für 2009 ein Minus der Wirtschaftsleistung von rund einem Prozent vorhersagten, ist inzwischen nur noch Makulatur. Nach all den negativen Meldungen seither rechnen sie nun mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von zwei bis drei Prozent gegenüber 2008. Das wäre der stärkste Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. "Selbst der dramatische Abschwung nach dem ersten Ölpreisschock 1973 verblasst dagegen", sagte der Chef-Volkswirt der UniCredit für Deutschland, Andreas Rees.

2008 kam die deutsche Wirtschaft noch einmal mit einem blauen Auge davon. Das BIP halbierte sich zwar fast gegenüber 2007, erreichte nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Mittwoch aber immer noch ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Positiv entwickelte sich die Konjunktur im Vergleich zum Vorquartal aber nur in den ersten drei Monaten. Danach rutsche Deutschland immer tiefer in die Rezession. Von Oktober bis Dezember schmolz das BIP gegenüber dem vorangegangenen Quartal nach ersten vorläufigen Schätzungen des Statistischen Bundesamts um 1,5 bis 2,0 Prozent.

Nach den "verheerenden" November-Daten für die Auftragseingänge, die Produktion und die Exporte startet die deutsche Wirtschaft nach Ansicht der DekaBank 2009 mit einer schweren Hypothek. Die Bank erwartet 2009 einen BIP-Rückgang um drei Prozent. Sie geht von einem Bremseffekt von gut 1,5 Prozentpunkten aus, den die deutsche Wirtschaft aus 2008 mitnehme. Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sagte: "Die Ausgangsbasis für 2009 ist sehr schlecht."

Nach Einschätzung der UniCredit ist die erste Jahreshälfte sowohl in Europa als auch in den USA schon jetzt buchstäblich verloren. "Die Rezession wird in den nächsten Monaten weitergehen", prophezeit Rees. Ähnlich wie viele Beobachter erwarte er danach eine allmähliche Stabilisierung der Konjunktur in Deutschland: "Für ein solches Szenario sprechen die riesigen Fiskalpakete, die jetzt weltweit verabschiedet werden." Auch Krämer erwartet zwar, dass der Abschwung zur Jahresmitte gestoppt werden kann. Den Aufschwung sieht er aber erst Mitte 2010. Bis dahin rechnet er nur mit einem kleinen Plus, also mit "blutleerem Wachstum".
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