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Experten: Finanzkrise hält noch lange an


Frankfurt/Stuttgart (dpa) - Die weltweite Finanzkrise wird nach Expertenmeinung noch lange anhalten. "Milliardenabschreibungen bei Banken und Rettungspakete in Milliardenhöhe werden uns vermutlich noch das ganze Jahr 2009 begleiten", sagte Dirk Rudolph, Volkswirt der Frankfurt School of Finance & Management, am Freitag der Finanz- Nachrichtenagentur dpa-AFX. Auch nach Einschätzung des Bankexperten Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim in Stuttgart ist ein Ende der Staatshilfen für das Finanzsystem nicht in Sicht.

Ohne das Bankensystem funktioniere die Wirtschaft nicht, deshalb könne der Staat die Institute nicht einfach fallen lassen, sagte Professor Burghof im Gespräch mit dpa-AFX. "Ich glaube, dass es noch Monate so weitergehen könnte." Die Folgen seien aber kaum abzusehen. "Der Staat kann zwar beliebig tief einsteigen. Je tiefer er aber einsteigt, desto größer wird aber auch der Schaden für die Volkswirtschaft."

In der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung ihren Anteil an der Commerzbank um 10 Milliarden Euro auf 18,2 Milliarden Euro erhöht, auch die Bank of America bekommt weitere Milliarden von der US-Regierung. "Diese Überdosierung hat mit normaler vernünftiger Steuerung nichts mehr zu tun", sagte Burghof. Die Auswirkungen auf Währungsentwicklung, Wettbewerbsfähigkeit oder die Exportwirtschaft seien schwer zu prognostizieren. "Es passieren zu viele Dinge gleichzeitig, um abzuschätzen, was die wirtschaftlichen Konsequenzen sind." Es gebe Stimmen, die befürchten, dass der Euro der Leidtragende sein werde.

Nach Burghofs Meinung bewirkt in der aktuellen Lage gerade die besondere Struktur des deutschen Bankensystems mit kleineren und großen Instituten etwas Stabilität. "Hätten wir unser System in dem Maße amerikanisiert, wie es von einigen Seiten gefordert wurde, hätten wir möglicherweise noch schlimmere Probleme als in den USA." Denn der deutsche Staat habe bei weitem nicht die gleichen Möglichkeiten wie die USA, an Geld zu kommen.

Wie nachhaltig der Effekt der Rettungsprogramme ist, sei derzeit schwer abzusehen, sagte Rudolph. "Erst einmal helfen sie aber. Im September und Oktober hätten solche Nachrichten wie die der Bank of America vom Freitag zu Panikreaktion führen können. Inzwischen greifen die aufgesetzten Mechanismen der staatlichen Hilfe." Nach Rudolphs Einschätzung werden auf die Banken, die sich stark in mit amerikanischen Immobilien besicherten Wertpapieren engagiert haben, in den kommenden Quartalen noch weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe zukommen.

Die stufenweise Abschreibung auf die "mittlerweile wertlos gewordenen Wertpapiere" sei notwendig, um das Finanzsystem zu retten. "Wären die Bilanzierungsregeln nicht gelockert worden und die Banken hätten ihre Positionen auf einmal abschreiben müssen, wäre das Finanzsystem zusammengebrochen", sagte Rudolph.
dpa zb/gr yyfx/yyzz z2 tst
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