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Teure Zukäufe rächen sich - Abschreibungen überschatten Bilanzen Von Daniel Schnettler, dpa-AFX

Frankfurt/Main (dpa) - Die Bilanzsaison ist gerade angelaufen, da gibt es auch schon die ersten Hiobsbotschaften: Die Royal Bank of Scotland muss rund 10 Milliarden Pfund auf den übernommenen Konkurrenten ABN Amro abschreiben, Halbleiter-Primus Intel eine Milliarde Dollar bei der weithin unbekannten Internet-Firma Clearwire. Der Wert der Zukäufe war in der Wirtschaftskrise derart rapide gefallen, dass die ehemals bezahlten Preise mittlerweile fernab jeder Realität liegen. Das Schicksal der beiden Konzerne droht jetzt auch deutschen Unternehmen, die in den vergangenen Boomjahren teuer zugekauft haben. Gewinneinbrüche auf breiter Front drohen.

"Es wird in einigen Bilanzen böse knallen", sagt Professor Karlheinz Küting vom Institut für Wirtschaftsprüfung der Universität Saarbrücken. "Und das zieht sich durch alle Branchen durch." Goodwill oder zu deutsch Firmenwert ist das Schlagwort. Dies bezeichnet den Aufschlag auf den ermittelten "wahren" Unternehmenswert bei Übernahmen, quasi eine Art Vorschuss für zukünftigen Erfolg.

In der Vergangenheit waren auch deutsche Konzerne gern bereit, kräftige Zuschläge zu zahlen. Die Geschäfte liefen gut, die Kassen waren voll und entsprechend hoch waren die Preisvorstellungen der Verkäufer. Solange die Wirtschaft boomte, war der Goodwill auch nie ein großes Problem, wurden die Zukäufe doch tendenziell eher noch wertvoller. Nun aber, in der Krise, geht es abwärts. Die Erstellung des Jahresabschlusses fördert das Problem zutage, sind die Unternehmen durch die Bilanzierungsregeln doch gezwungen, einmal jährlich die Firmenwerte in ihren Büchern unter die Lupe zu nehmen.

"Als Außenstehender können sie mögliche Abschreibungen nur schwer einschätzen", sagt Jochen Klusmann, Chefanalyst der BHF Bank. Vieles liege im Ermessen des Unternehmens. "Sie dürfen nicht den Fehler machen, den kürzlich eingebrochenen Börsenwert eines Wettbewerbers als Vergleich heranzuziehen. Es muss schon ein nachhaltiger Wertverfall des übernommenen Unternehmens eintreten." Den sehe er, wenn überhaupt, erst in der zweiten Jahreshälfte 2009 gegeben - wenn die Krise dann noch andauert.

Bilanzexperte Küting kennt die Problematik: "Die meisten Unternehmen schieben Abschreibungen so lange wie möglich vor sich her." Jetzt, in der Wirtschaftsflaute, sieht er aber nur noch wenig Chancen für die Konzerne, das Thema zu unterschlagen und faule Kompromisse mit den beauftragten Wirtschaftsprüfern auszuhandeln. "Die Krise ist allgemein bekannt. Da kann sich kein Wirtschaftsprüfer herausreden, er habe von nichts gewusst." Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung - im Volksmund Bilanzpolizei genannt - hat bereits angekündigt, bei ihren Stichproben ganz genau auf den Goodwill schauen zu wollen.

In einer Untersuchung Ende letzten Jahres hat Küting herausgefunden, dass bei einem knappen Dutzend Unternehmen in den großen deutschen Börsenindizes Dax, MDax, TecDax und SDax der Firmenwert in den Büchern höher liege als das Eigenkapital. Ganz oben rangieren ProSiebenSat.1 durch die Übernahme der europäischen Sendergruppe SBS oder HeidelbergCement durch den Kauf des britischen Konkurrenten Hanson. Eine Studie der Uni St. Gallen kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Untersucht wurden dabei jeweils die Jahresabschlüsse 2007.

Gefährlich werden die Goodwill-Abschreibungen, weil sie zu Verlusten führen können und damit das Eigenkapital angreifen. "Ich sehe die Gefahr von Pleiten gestiegen", sagt Küting. "Die Banken sind momentan dermaßen panisch, dass sie sich sicherlich zweimal überlegen werden, einem Unternehmen mit zusammengeschmolzenem Eigenkapital noch einen Kredit zu geben."
dpa das/wiz yyfx a3 gö
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