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Ohne Hilfe für Kleinbauern kommt Afrika nicht aus Hungerkreislauf Von Eva Krafczyk, dpa


Nairobi (dpa) - Wenn Jeffrey Sachs zu dem am Montag in Madrid beginnenden Gipfel über Ernährungssicherheit reist, hat der Direktor des Earth Institute der Columbia Universität einen Vorschlag für einen zehn-Jahresplan zur Bekämpfung des Hungers auf der Welt bei sich. "Ohne substanzielle Hilfe für Kleinbauern wird es keine Änderung geben", sagte er nach Gesprächen mit kenianischen Regierungsvertretern. In Kenia ist derzeit ein Viertel der Bevölkerung von Hunger bedroht. Vor allem in Schwarzafrika müsse mit Einsatz von Düngemitteln und besseren Bewässerungssystemen der Ernteertrag verbessert werden.

Ein Grund dafür, dass die grüne Revolution in Afrika nicht gelang, sei die im Vergleich zu Asien oder Südamerika deutlich schlechtere Bodenqualität. Während in anderen Regionen der Welt innerhalb von 50 Jahren die Ernteerträge zum Teil verzehnfacht worden seien, seien die Ernten der afrikanischen Bauern noch immer auf dem Niveau der 60er Jahre. Doch trotz der ungünstigeren Ausgangsbedingungen ist Afrika nicht zum Hungern verurteilt, betonte Sachs, der Sonderberater der UN-Generalsekretärs für die Entwicklungs-Milleniumsziele ist. "Die Produktivität in Afrika kann durch den Einsatz von Düngemitteln verdreifacht oder vervierfacht werden."

Das sei keine blasse Theorie. In den UN-Milleniumsdörfern, in denen effektive Entwicklungsmöglichkeiten erprobt werden, seien innerhalb weniger Jahre die Bodenqualität verbessert, höhere Ernten erzielt und neues Saatgut, das etwa resistent gegen Überschwemmungen und Dürre sei, erfolgreich eingesetzt worden. "Wenn 200 oder 300 Tonnen Getreide geerntet werden können, wo der Boden bisher nur 100 Tonnen ergab, dann ist das der Unterschied zwischen Hunger und Nahrungsmittelsicherheit."

In Madrid gehe es darum, die Geberländer zu echter Partnerschaft zu mobilisieren. So habe etwa die bisherige US-Regierung kaum Landwirtschafts- oder Bewässerungsprogramme gehabt, sondern auf Lebensmittelhilfe gesetzt, die den betroffenen Ländern mittelfristig aber nicht hilft. "Durch den Klimawandel wird das Problem gerade in Afrika südlich der Sahara immer größer", sagte Sachs. Während die Wüste sich immer weiter auf bisher fruchtbares Land ausstreckt, Abholzung und Erosion die Bodenqualität der ohnehin nährstoffarmen Felder weiter verschlechtern, drängt die Zeit.

"Mehr als drei Millionen Kinder sterben jedes Jahr an den Folgen von Unterernährung", erinnerte Sachs. Nötig seien "smarte Subventionen", etwa Düngemittel-Gutscheine für Kleinbauern, aber auch Verbesserungen der Infrastruktur, um den Bauern überhaupt die Möglichkeit zu geben, Märkte zu erreichen. Auch in einer weltweiten Finanzkrise dürften sich die Geberländer nicht der notwendigen Hilfe verschließen - nicht zuletzt im eigenen Interesse.

"Die meisten Krisen beruhen nicht auf Ideologien, sondern auf Hunger- und Wasserkrisen", betonte Sachs. Es seien Staaten ohne Lebensmittelsicherheit, die "die Tendenz haben, in Krisen und Konflikte zu geraten", meinte er und nannte als Beispiele Afghanistan, Sudan oder Somalia. Notwendig sei es daher, für Konfliktgebiete wir Darfur oder Somalia nicht nur über Friedensmissionen zu reden, sondern über Wasserwirtschaft und Landwirtschaftsprogramme.

Die größte Bedrohung gerade in Afrika sei jedoch nicht der Klimawandel, sondern das Bevölkerungswachstum, warnte Sachs. "Wenn die Bevölkerung so schnell weiter wächst, wird es keine Möglichkeit geben, all diese Menschen zu ernähren."
dpa ek xx a3 ch
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