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Bankenkrise: Staatsgeld wird populärer - Deutsche Bank mit Gewinn


Frankfurt/Main (dpa) - Unter Deutschlands Banken bröckelt der Widerstand gegen Staatsgeld als Ausweg aus der Finanzkrise. Nach Darstellung der Bundesregierung sind die Großbanken nun doch bereit, das 500-Milliarden-Euro Rettungspaket des Staates zu nutzen. "In den nächsten vier bis fünf Tagen wird es eine ganze Reihe von Instituten geben, die die Hilfe in Anspruch nehmen werden", sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) der "Financial Times Deutschland" ("FTD"). In Frankfurt sagte der Minister am Donnerstag: "Wir haben es mit einem solchen Ausmaß an Vertrauensverlust zwischen Marktteilnehmern zu tun, dass sie inzwischen darauf angewiesen sind, sich Vertrauen vom Staat zu leihen."

Auch in Österreich nahm mit der Erste Group Bank das erste Institut Milliardenhilfen (2,7 Mrd Euro) vom Staat an, in Schweden kann nach der Genehmigung der EU-Kommission ein umgerechnet 152 Milliarden Euro schweres Paket der Regierung zur Banken-Rettung in Kraft treten. Aus den USA kommen unterdessen Meldungen, dass die Banken staatliche Milliarden zu einem Großteil als Dividende an ihre Aktionäre weiterreichen wollen.

In Berliner Regierungskreisen wird nach Informationen der "FTD" damit gerechnet, dass die Großbanken nach Börsenschluss an diesem Freitag und vor Öffnung der Börsen am nächsten Montag gemeinsam einen Antrag auf Garantien stellen werden. Auch die "Süddeutschen Zeitung" ("SZ"/Donnerstag) schreibt, führende Privatbanken wollten gemeinsam Kreditbürgschaften beantragen. Damit wäre die Sorge der Konzerne vom Tisch, dass einer vorpreschen muss und dafür an der Börse abgestraft wird. An den Verhandlungen sind laut "SZ" alle großen Privatbanken - namentlich Deutsche Bank, Commerzbank, Dresdner Bank und Postbank - beteiligt.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, von dem die Aussage kolportiert worden war, er würde sich "schämen", wenn sein Institut in der Krise Staatsgeld annehmen würde, betonte bei der Vorlage der Quartalszahlen des DAX-Konzerns am Donnerstag: "Wir haben die abgestimmten Maßnahmen von Regierungen und internationalen Organisationen zur Stabilisierung des Finanzsystems von Anfang an begrüßt und werden sie weiter unterstützen." Der Finanzvorstand der größten deutschen Bank, Stefan Krause, bekräftigte in einer Telefonkonferenz: "Wir haben keinen Bedarf an frischem Kapital." Vor allem eine Lockerung der Bilanzregeln für kriselnde Wertpapiere bewahrte die Deutsche Bank im dritten Quartal vor einem erneuten Absturz in die roten Zahlen: Es wurden 414 Millionen Euro Überschuss ausgewiesen.

Zur Frage, ob die Deutsche Bank Bürgschaften des Bundes in Anspruch nehmen werde, wollte sich Finanzchef Krause nicht äußern. Mit den Bürgschaften will der Bund dazu beitragen, dass sich die Banken untereinander wieder Geld leihen. Der Geldmarkt, der sich nur allmählich von den Schocks der Krise erholte, war nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September erneut ausgetrocknet, weil sich die Banken untereinander misstrauen.

Erster Antragsteller unter Deutschlands Privatbanken auf Hilfen aus dem Rettungspaket war am Mittwoch der Münchner DAX-Konzern Hypo Real Estate (HRE). Der Immobilienfinanzierer stand Ende September kurz vor dem Zusammenbruch, Bundesregierung und Finanzwirtschaft schnürten ein Rettungspaket mit 50 Milliarden Euro Volumen. Die Finanzaufsicht BaFin billigte die Beteiligung der Versicherer an der Rettungsaktion. "Die BaFin hat mitgeteilt, dass die Beteiligung der Versicherungen am Rettungspaket für die HRE aufsichtsrechtlich nicht zu beanstanden ist", sagte eine Sprecherin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft und bestätigte einen "FTD"-Bericht.

Im Landesbankenlager bekräftigte das Land Nordrhein-Westfalen als Miteigentümer der WestLB, das angeschlagene Düsseldorfer Institut plane eine Teilnahme an dem Rettungsfonds. WestLB-Chef Heinz Hilgert wolle dies den Eigentümern auf der Aufsichtsratssitzung am kommenden Montag empfehlen, sagte NRW-Finanzministers Helmut Linssen (CDU). Das Land NRW hält 38 Prozent an der WestLB.

In den USA wollen die vom US-Rettungspaket unterstützten Banken laut einem Bericht der "Washington Post" (Donnerstag) rechnerisch mehr als die Hälfte der staatlichen Milliardenhilfen als Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten. Die bislang am Rettungspaket beteiligten 33 Finanzhäuser planten aktuell Quartalsdividenden von zusammen rund sieben Milliarden Dollar. Auf die nächsten drei Jahre hochgerechnet sei das mehr als die Hälfte der vom Staat bislang in die Institute investierten Summe von gut 163 Milliarden Dollar, schreibt die Zeitung. Das US-Finanzministerium stieg bislang unter anderem mit 125 Milliarden Dollar allein bei neun Großbanken ein: etwa bei der Citigroup, bei JP Morgan Chase, Goldman Sachs und Morgan Stanley.

New Yorks Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo forderte von führenden US-Banken binnen einer Woche Auskunft über die in den nächsten Monaten anstehenden Zahlungen für das Top-Management. Zu hohe Bonuszahlungen könnten gesetzeswidrig sein, warnte Cuomo in einem Brief an neun Finanzhäuser. Allein der Chef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, hatte im vergangenen Jahr einen Rekordbonus inklusive Aktienoptionen von rund 68 Millionen Dollar erhalten - das wären nach aktuellem Kurs 52,5 Millionen Euro.

Autor: Jörn Bender, dpa
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