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Geänderte Bilanzierungsregeln für Banken

Frankfurt/Main (dpa) - Als Reaktion auf die Zuspitzung der Finanzmarktkrise haben EU-Kommission und Europaparlament Mitte Oktober im Eilverfahren die Bilanzierungsregeln für Banken in Europa gelockert. Damit sollten Milliardenabschreibungen zumindest teilweise vermieden werden, die in den vergangenen Monaten im Markt zusätzlich für Verunsicherung gesorgt hatten.

Im Kern geht es um die Rechnungslegungsstandards International Accounting Standard (IAS) 39 und International Financial Reporting Standard (IFRS) 7. Eine Verordnung der EU-Kommission in Brüssel vom 15. Oktober erklärt dazu, es werde den Banken erlaubt, "bestimmte Finanzinstrumente ab dem 1. Juli 2008 umzugliedern". Grund sei, dass bestimmte Finanzinstrumente angesichts der derzeitigen Finanzmarktkrise "nicht mehr gehandelt werden oder die dazugehörigen Märkte nicht mehr aktiv bzw. in Schieflage geraten sind".

Europäische Banken dürfen demnach - wie US-Institute - bestimmte zum Verkauf gestellte Wertpapiere und Kredite, für die es in der aktuellen Krise keinen Markt gibt, vom Handelsbuch in ihre Anlagebestände umbuchen. Voraussetzung ist, dass diese in absehbarer Zeit nicht mehr verkauft werden sollen. Damit müssen die Papiere nicht mehr nach aktuellen Marktpreisen ("mark-to-market"/"fair value") bewertet werden und nur dann wertberichtigt werden, wenn sich ein dauerhafter Ausfall abzeichnet. Im Anlagebestand können die Banken die Papiere nach Ausfallrisiko und nicht nach aktuellem Marktpreis bewerten.

Mit der Lockerung der Regeln reagierten die Behörden auch auf Kritik aus der Branche: Banker machten unter anderem die starren internationalen Bilanzierungsvorschriften für die gigantischen Löcher in den Bilanzen vieler Häuser verantwortlich. Der Zwang zur Bewertung nach jeweiligen Kursen sorgte nicht nur bei Ramschkrediten für hohe Belastungen, sondern auch bei soliden Vermögenswerten, die - nach Darstellung der Banken - wegen der großen Unsicherheit an den Märkten nur vorübergehend drastisch an Wert verloren haben. Selbst wenn ein Verkauf solcher Papiere nicht geplant war, mussten Abschreibungen vorgenommen werden.
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