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Großbanken halten sich zum Thema Rettungsschirm bedeckt


Frankfurt/Main (dpa) - Bei der Frage über ein mögliches abgestimmtes oder gemeinsames Vorgehen der deutschen Großbanken in puncto staatlichem Rettungsschirm halten sich die Institute weiterhin bedeckt. Nachdem die Münchner Hypo Real Estate (HRE) als erste Privatbank von dem 500 Milliarden Euro schweren Rettungspaket der Bundesregierung Gebrauch gemacht hat, wollten sich am Freitag weder Deutsche Bank noch Commerzbank, Postbank oder Dresdner Bank dazu äußern, ob sie Bürgschaften des Staates in Anspruch nehmen wollen. "Kein Kommentar", hieß es einheitlich aus den Instituten.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte am Donnerstag deutlich gemacht, dass er einen solchen Schritt begrüßen würde. Seinen Angaben zufolge wächst inzwischen auch die Bereitschaft der Institute. Der "Financial Times Deutschland" (FTD/Donnerstag) hatte Steinbrück gesagt, es werde in den nächsten vier bis fünf Tagen eine ganze Reihe von Instituten geben, die die Hilfe in Anspruch nehmen würden. Darunter seien auch Banken, die sich zuvor öffentlich anders geäußert hätten.

Mehrere Zeitungen berichteten, es gehe dabei um einen gemeinsamen Antrag führender Privatbanken auf Garantien. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" sind alle vier oben genannten Banken an den Verhandlungen beteiligt. Die "FTD" hatte geschrieben, der Antrag auf Kreditbürgschaften könnte nach Börsenschluss an diesem Freitag und vor Öffnung der Börsen am Montag bei der staatlichen Stabilisierungsanstalt (SoFFin) eingehen.

Unterdessen bekam der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate in der Nacht zum Freitag vom Rettungsfonds die beantragte Garantie über 15 Milliarden Euro zugeteilt. Der Konzern stand Ende September kurz vor dem Zusammenbruch und wurde durch Kreditzusagen in einem Gesamtvolumen von 50 Milliarden Euro gerettet. Über die nun zusätzlich zu diesem Paket bewilligten staatlichen Bürgschaften hinaus prüft die Hypo Real Estate, ob auch ein Antrag auf Kapitalhilfen nötig ist.

Das innerhalb kürzester Zeit aufgelegte Rettungspaket des Bundes für die Banken findet bislang nur wenig Anklang in der Branche. Bis auf einige Landesbanken hat sich auf der privaten Seite nur die HRE aus der Deckung gewagt. Der Aufsichtsrat der HSH Nordbank kommt am Montag (3.11.) zu einer Sitzung zusammen, um über die Nutzung der angebotenen staatlichen Hilfen zu beraten. Der Vorstand hatte nach Abschreibungen in Milliardenhöhe durch die Finanzkrise bereits beschlossen, grundsätzlich vom Maßnahmenpaket der Bundesregierung Gebrauch zu machen. Auch die WestLB plant eine Teilnahme an dem Rettungsfonds der Bundesregierung. Der Vorstandschef der Bank, Heinz Hilgert, wolle dies den Eigentümern auf der Aufsichtsratssitzung am kommenden Montag empfehlen.

Besonders bei den privaten Geschäftsbanken ist die Angst vor einer Abstrafung in der Öffentlichkeit und an der Börse im Falle des Vorpreschens mit einem Hilfeersuchen eines einzelnen Instituts groß. Die Deutsche Bank hatte öffentlich mehrfach betont, sie benötige kein frisches Kapital vom Staat - zuletzt am Donnerstag bei Vorlage der Quartalszahlen. Beim Thema Bürgschaften des Bundes allerdings gab sich der Branchenprimus bedeckt: Finanzchef Stefan Krause wollte sich dazu nicht äußern.

Die Bürgschaften sollen vor allen Dingen die Geschäfte zwischen den Banken wieder in Schwung bringen. Aus mangelndem Vertrauen geben sich die Institute in der Finanzkrise untereinander seit Wochen keine Kredite, der sogenannte Geldmarkt ist nahezu ausgetrocknet.

Allerdings wächst mittlerweile auch der Druck auf die Banken, ihre eigene Kapitaldecke weiter zu stärken. Immer mehr internationale Institute holen sich über staatliche Pakete oder auf Druck der Regierungen von Investoren frisches Kapital. Am Freitag gab die britische Barclays Bank bekannt, sich bei arabischen Investoren mit 7,3 Milliarden Pfund neuem Kapital einzudecken.

Die Deutsche Bank sieht sich mit einer Kernkapitalquote von rund 10 Prozent gut gerüstet. Bei der Commerzbank lag die Quote zum Ende des zweiten Quartals bei 7,3 Prozent, bei der Postbank sackte sie bis Ende September auf nur noch 5,5 Prozent und soll nach einer Kapitalerhöhung bei international immer noch niedrigen 6,9 Prozent liegen.

Bundesbankpräsident Axel Weber forderte die Institute am Donnerstagabend auf, ihre Kapitalbasis auf ein im internationalen Wettbewerbskontext angemessenes Niveau aufstocken. "Mit einem solchen Kapitalpuffer wären sie für eventuelle weitere Abschwünge an den Finanzmärkten und der Realwirtschaft besser gerüstet", sagte Weber.

Deutsche Anleger können Hoffnung schöpfen im Fall der Kaupthing- Bank. Die isländische Finanzaufsicht hat für die in Not geratene Bank den Entschädigungsfall festgestellt. Damit haben geschädigte Anleger aus Deutschland ab jetzt maximal zwei Monate Zeit, ihre Forderungen gegenüber dem isländischen Entschädigungsfonds geltend zu machen. Die genaue First wird in der sog. "Official Gazette" und anderen Zeitungen in Island veröffentlicht. Darauf verwies der Frankfurter Rechtsanwalt Ralph Burgwald aus der Kanzlei Nieding & Barth im Rahmen der Börsen-Berichterstattung im ARD- Mittagsmagazin. Nach Angaben der Kanzlei muss jeder Betroffene möglichst schnell reagieren, um seine Ansprüche gegenüber der isländischen Bank nicht zu verlieren.  << zurück zur Übersicht