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Statistik-Chef hält Wirtschaftspessimismus für übertrieben


Wiesbaden/Frankfurt (dpa) - Die grassierenden Rezessionsängste und pessimistischen Horrorszenarien für die deutsche Wirtschaft sind nach Ansicht des Statistischen Bundesamtes übertrieben. "Die dramatischen Aussagen stimmen mit den aktuell verfügbaren Daten nicht überein", sagte der neue Präsident des Bundesamtes, Roderich Egeler, in einem Redaktionsgespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Wir sehen, dass die Dynamik etwas zurückgegangen ist. Wir malen aufgrund der Daten aber kein dunkles Szenario - dafür ist es zu früh."

Für das dritte Quartal rechnen Ökonomen aber damit, dass die deutsche Wirtschaft zum zweiten Mal in Folge schrumpft. Die Abkühlung der Weltkonjunktur und die Folgen der Finanzmarktkrise werden die Wirtschaftsleistung dämpfen. Die genauen Zahlen geben die Statistiker am 13. November bekannt. Schon im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt zum ersten Mal seit knapp vier Jahren zurückgegangen. Das Minus gegenüber dem Vorquartal betrug 0,5 Prozent.

"Augenblicklich wird die Zukunft zu düster beschrieben", kritisierte Egeler. "Dabei spielt die Psychologie eine wichtige Rolle." Viele Experten verglichen die aktuelle Krise mit der Weltwirtschaftskrise 1929. Das Statistische Bundesamt stelle einen solchen Vergleich nicht an. Den Vorwurf, dass die Daten des Amtes zur Wirtschaftsentwicklung zu wenig aktuell seien, wies Egeler zurück. "Wir berichten 45 Tage nach Ende des Quartals, das ist im europäischen Vergleich ein Spitzenergebnis". Je schneller die Daten zur Verfügung gestellt würden, umso wahrscheinlicher seien nachträgliche Korrekturen.

Das Überschwappen der Finanzmarktkrise auf die reale Wirtschaft will die Bundesregierung mit einem milliardenschweren Konjunkturprogramm abmildern. Im Gespräch ist ein Konjunkturpaket von rund 25 Milliarden Euro. "Wir sind dabei nicht eingebunden und beteiligt. Ob aus unseren Daten die richtigen Maßnahmen abgeleitet werden, wissen wir nicht", sagte der Präsident der Statistikbehörde.

Gespräch: Marion Trimborn, dpa
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