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111 000 Bürger rufen wegen Finanzkrise Verbraucherzentralen an


Berlin (dpa) - Besorgte Anleger lassen bei den Verbraucherzentralen die Telefondrähte glühen. 111 000 Bürger haben seit 24. Oktober das neue Finanz-Infotelefon angerufen, aber nicht einmal jeder 20. Anrufer kam zu einem Berater durch, wie Manfred Westphal, Finanzexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV), am Montag in Berlin sagte. Die Menschen wollten wissen, ob ihre Versicherungen, Altersvorsorge oder Geldanlagen noch sicher seien. Das vom Bund geförderte Infotelefon war eigens wegen der Finanzmarktkrise eingerichtet worden. VZBV-Chef Gerd Billen forderte deutlich mehr Geld für die Finanzberatung sowie mehr Verbraucherschutz durch Politik, Behörden und Banken.

Er verlangte, dass die Bundesregierung für die Verluste deutscher Kunden der isländischen Kaupthing-Bank gerade stehe. Die größte Bank des Inselstaats war im Oktober verstaatlicht worden, nachdem sie in der internationalen Finanzkrise zusammengebrochen war. Anleger, die ihr Geld bei der US-Investmentbank Lehman Brothers verloren haben, sollten nach Willen der Verbraucherschützer von den Banken entschädigt werden, die ihnen in Deutschland die Anlagen vermittelt hatten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Bonn müsse Bankkunden künftig vor mangelhaften Finanzprodukten warnen.

Die Verbraucherschützer schlugen außerdem unter dem Dach des VZBV eine "Verbraucherleitstelle" vor, die neue Finanzprodukte prüft. Für ihre Finanzberatung erhalten die Verbraucherzentralen nach Billens Angaben derzeit rund vier Millionen Euro pro Jahr von Bund und Ländern, notwendig wäre nach seinen Worten schon jetzt das Zehnfache.

(Info-Telefon der Verbraucherzentralen: 0800-6648588 - montags bis freitags von 9.00 bis 21.00 - gebührenfrei aus dem deutschen Festnetz.)
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