logo
Home
Mein Depot
 Name, WKN, ISIN
LSR
Salzgitter und ThyssenKrupp fahren Stahlverarbeitung zurück


Duisburg/Salzgitter (dpa) - Deutschlands größte Stahlkonzerne ThyssenKrupp und Salzgitter reagieren auf die einbrechende Nachfrage und drosseln ihre Stahlverarbeitung. Die Zukäufe von Brammen, einer Rohmaterialform, würden komplett zurückgefahren, teilte ThyssenKrupp Steel am Donnerstag in Duisburg mit. Die Nachfrage nach Flachprodukten aus Qualitätsstahl habe sich in den letzten Wochen deutlich stärker abgeschwächt als erwartet, hieß es zur Begründung. In den nachgeschalteten Verarbeitungslinien für Warmband und kaltgewalzte sowie beschichtete Flachprodukte würden zudem die Anzahl der Schichten gekürzt. Die Stillstände würden für notwendige Reparatur- und Umbaumaßnahmen genutzt.

Ein Salzgitter-Sprecher hatte zuvor auf Anfrage der Finanz- Nachrichtenagentur dpa-AFX gesagt, dass die Weiterverarbeitung bei Flachstahl und den Trägern in den kommenden zwei Monaten nach jetzigem Stand um 30 Prozent zurückgefahren werde. Grund für die Maßnahme seien Auftragsrückgänge. ThyssenKrupp-Titel brachen zum Schluss des Börsenhandels um 12,55 Prozent auf 13,66 Euro ein, Aktien von Salzgitter verloren sogar 16,48 Prozent auf 46,48 Euro. Beide Papiere gehörten in ihren Indizes damit zu den schwächsten Titeln.

Am Mittwoch hatte Branchenführer ArcelorMittal in Luxemburg angekündigt, seine Stahlproduktion um 35 Prozent zurückzufahren. Dieser Schritt sei nötig, "um Nachfrage und Angebot wieder ins Gleichgewicht zu bekommen", sagte Konzernchef Lakshmi Mittal. Die Preise für Stahl und Stahlprodukte sind wegen der teils drastischen Wirtschaftsabschwächung stark unter Druck geraten. In den vergangenen Monaten hatten verschiedene Hersteller weltweit daher bereits Produktionskürzungen angekündigt. Am Mittwoch hatte die deutsche Nummer eins, ThyssenKrupp, noch bekräftigt, dass bei ihnen weiter keine Einschnitte geplant seien.

Weniger Stahl will Salzgitter allerdings nicht schmelzen: Der Salzgitter-Sprecher betonte, ihre Stahlproduktion sei nicht von den Maßnahmen betroffen, sie laufe unverändert weiter. Betroffen sei die Produktion in den Warm- und Kaltwalzwerken sowie die Beschichtung und Veredelung von Stahlprodukten. Salzgitter verarbeitet mehr Stahl als das Unternehmen selbst produziert und kauft in normalen Zeiten daher extern Brammen zu. Entsprechend muss der Konzern jetzt auch nicht die eigene Produktion kürzen, sondern reduziert den Zukauf von Brammen.

In der aktuellen Situation kommt Salzgitter seine breite Aufstellung zugute, hieß es. In der Röhrensparte sowie in den Bereichen Grobblech und Handel sei die Situation stabil, betonte der Sprecher. Dadurch kann der Konzern möglicherweise einen Teil der Einbußen wieder wettmachen. Seit einigen Jahren baut Salzgitter-Chef Wolfgang Leese den Stahlhersteller in einen Mischkonzern um, um ihn unabhängiger von den zyklischen Schwankungen im Stahlgeschäft zu machen.
 << zurück zur Übersicht