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Welt steht 2009 vor globaler Rezession - Düstere Konjunkturaussichten


Washington/Frankfurt (dpa) - Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg stürzen die Industriestaaten nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) 2009 in eine Rezession. Insgesamt werde ihre Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent schrumpfen, prognostizierte der IWF bei der Vorlage des aktualisierten Weltwirtschaftsausblicks am Donnerstag in Washington. "Wir haben eine Menge neuer Informationen hinzubekommen, und das meiste davon ist negativ", sagte IWF- Chefökonom Olivier Blanchard. Die deutsche Wirtschaft wird demnach 2009 um 0,8 Prozent schrumpfen. Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank(EZB), Jean-Claude Trichet, malte ein sehr düsteres Bild der Konjunktur. Die EZB reagierte darauf mit der zweiten drastischen Zinssenkung in Folge.

2009 wird das globale Wachstum laut IWF insgesamt nur noch 2,2 Prozent betragen - der Fonds spricht bei einem weltweiten Wachstum von unter 3 Prozent von Rezession. Die Finanzkrise, die von den USA ausging und dann auf andere Industrieländer übergriff, habe sich außerdem umfassender und stärker als erwartet auf Schwellenländer ausgedehnt, sagte der IWF-Chefvolkswirt. Für 2009 erwartet der Fonds - im Gegensatz zu Industrieländern wie Deutschland und den USA - in aufstrebenden Wirtschaftsnationen und Entwicklungsländern zwar noch ein Wachstum von knapp über fünf Prozent. Im Oktober waren die IWF- Experten aber noch von einem Plus von rund sechs Prozent ausgegangen.

Für Deutschland hatte der IWF vor einem Monat noch eine Stagnation prognostiziert. "Die deutsche Wirtschaft wurde über Jahre vor allem durch den Export angetrieben", sagte der Chef der IWF-Abteilung für weltwirtschaftliche Studien, Jörg Decressin. Durch den erheblichen Einbruch der globalen Nachfrage erlebe Deutschland nun eine "scharfe Umkehr", sagte er. In den USA erwartet der Weltwährungsfonds, dass die weltgrößte Volkswirtschaft im nächsten Jahr um 0,7 Prozent schrumpft. Mit einer globalen Erholung sei erst Ende 2009 zu rechnen, schätzt der IWF. Um dem globalen Abschwung zu begegnen, riet der IWF zu weiteren Zinssenkungen und staatlichen Konjunkturprogrammen.

Für die dramatisch nach unten korrigierten Wachstumserwartungen seien vor allem der Nachfrageeinbruch in den Industriestaaten und verschärfte Kreditbedingungen in Schwellenländern verantwortlich, sagte Blanchard. Reiche Nationen erlebten einen "dramatischen Absturz des Vertrauens von Konsumenten und Unternehmen", sagte der IWF- Chefökonom. "Ihr Vermögen ist geschmolzen. Die Verunsicherung ist sehr groß. Nachdem sie sich eine lange Zeit noch gut hielten, haben sie jetzt einfach Angst und haben sich deshalb entschlossen, weniger auszugeben." Als Hoffnungsschimmer nannte Blanchard, dass die derzeitige Kaufzurückhaltung von Verbrauchern und Firmen teils durch ihre abwartende Haltung zu erklären sei. "Wenn sich die Lage auf den Finanzmärkten stabilisiert und die Unsicherheit abnimmt, könnte sich das Ausgabeverhalten schneller verbessern als wir erwarten."

In Frankfurt betonte EZB-Präsident Trichet, dass die Aussichten für die Wirtschaft negativ seien: "Die Verschärfung und Ausweitung der Finanzmarktkreise wird höchstwahrscheinlich die Nachfrage weltweit und im Euro-Raum für eine lange Zeit dämpfen." Die EZB senkte am Donnerstag wegen der Rezessionsgefahr den Leitzins im Euro- Raum von 3,75 auf 3,25 Prozent. Nach Trichets Worten hatten die Währungshüter sogar eine noch stärkere Senkung um 0,75 Prozentpunkte in Betracht gezogen. Experten rechnen bereits im Dezember mit dem nächsten Schritt nach unten. Auch die Bank of England (BoE), die Schweizerische Nationalbank (SNB) und die Tschechische Nationalbank (CNB) verringerten am Donnerstag ihre Leitzinsen erneut drastisch.

Die Europäische Kommission erwartet für die europäische Wirtschaft im nächsten Jahr Stillstand. Angesichts der Finanzkrise hatte Brüssel vor wenigen Tagen seine Prognose für das Euro-Gebiet von bisher 1,5 auf 0,1 Prozent Wachstum zurückgenommen. Die Unsicherheit an den Finanzmärkten bleibe "außerordentlich hoch", sagte Trichet und sprach von "großen Herausforderungen, die vor uns liegen". Die EZB erwarte von den Geschäftsbanken Beiträge, um Vertrauen in den Finanzsektor wiederherzustellen. Der Handel zwischen den Banken ist nach wie vor gestört, weil viele Geldhäuser ihr Geld aus Misstrauen in die Zahlungsfähigkeit anderer Institute horten. Die EZB und andere Notenbanken greifen daher den Banken seit Monaten mit zusätzlichen Milliardensummen unter die Arme.

Noch im Juli hatte die EZB den Leitzins wegen der hohen Inflation auf 4,25 Prozent erhöht - gegen scharfe Kritik von Gewerkschaften und Politikern. Inzwischen hat die Gefahr steigender Inflation nach Einschätzung der Notenbank unter anderem wegen sinkender Ölpreise abgenommen. In den nächsten Monaten werde die Teuerungsrate weiter nach unten gehen und 2009 unter die für die EZB entscheidende Marke von zwei Prozent fallen, sagte Trichet. Im Oktober lag die jährliche Teuerungsrate in den 15 Euro-Ländern bei 3,2 Prozent.
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