logo
Home
Mein Depot
 Name, WKN, ISIN
LSR
Finanzkrise trifft nun die Stahlindustrie - Prognose gesenkt


Düsseldorf (dpa) - Nach den Automobilherstellern hat die Finanzkrise nun auch die Stahlindustrie getroffen. Die Nachfrage habe sich nach der Sommerpause "deutlich abgekühlt", sagte der Präsident der Düsseldorfer Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, am Freitag in Düsseldorf. Bereits für das laufende Jahr senkte der Branchenverband wegen eines voraussichtlich schwächeren vierten Quartals seine Prognose für die Rohstahlproduktion in Deutschland. Für 2008 wird nun ein Rückgang der Stahlproduktion um zwei Prozent auf 47,5 Millionen Tonnen erwartet. Bislang war der Verband von einem Wert auf Vorjahresniveau von 48,5 Millionen Tonnen ausgegangen.

Auf den nachlassenden Bedarf und die erhöhte Vorsicht der Kunden hätten die meisten Konzerne mit einer Kürzung ihrer Produktion reagiert, sagte Kerkhoff. Rund ein Viertel des deutschen Stahls gehe in die Automobilindustrie. Auch weltweit werde im vierten Quartal erstmals seit etwa zehn Jahren wieder mit einem Rückgang der Rohstahlproduktion gerechnet. Auch der deutsche Stahlmarkt könne sich dieser globalen Entwicklung nicht entziehen.

Erst am Vortag hatten die beiden größten deutschen Stahlhersteller ThyssenKrupp und Salzgitter angekündigt, die Stahlverarbeitung zurückzufahren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Freitag sank die Produktion der deutschen Hüttenwerke im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,7 Prozent auf 3,88 Millionen Tonnen. Die Lage auf dem deutschen Markt sei im Vergleich zu vielen anderen Märkten noch relativ robust, sagte Kerkhoff.

Einen Ausblick auf das kommende Jahr wollte der Stahlverbands-Chef jedoch nicht wagen: Der Blick auf die nächsten Monate sei in einem ungewöhnlich hohen Maß mit Unsicherheiten behaftet. "Im ersten Quartal 2009 wissen wir sicher mehr", sagte Kerkhoff. Auch der internationale Stahlverband wollte bei seiner Jahrestagung in den USA vor wenigen Wochen keine Prognose für das kommende Jahr vorlegen.

Mittelfristig werde in der Branche jedoch weiter ein "moderates Wachstum" erwartet, sagte Kerkhoff. Auch in Zukunft werde es ein kräftiges Wachstum geben. "Für die Stahlbranche gebe es keinen Grund für "überbordenden Pessimismus", sagte er. Hohe Expansionsraten würden künftig vor allem in den Schwellenländern erwartet. Eine Entspannung werde bei den in den letzten Jahren sprunghaft angestiegenen Rohstoffpreisen erwartet. Zur weiteren Entwicklung der Stahlpreise wollte sich der Verbandspräsident jedoch nicht äußern.

Bei der Düsseldorfer Jahrestagung Stahl 2008 wollen in der kommenden Woche mehr als 3000 Experten neue Entwicklungen und Trends in der Branche diskutieren. Dabei soll unter anderem ein neues Verfahren zur Reduktion des Klimagases C02 aus den Hochofen-Abgasen vorgestellt werden. Etwa 30 Prozent des Klimagases könnten dadurch abgeschieden werden, hieß es. Derzeit werde noch ein Standort für eine Anlage gesucht, um das neue Verfahren auch in großtechnischem Umfang zu erproben. Neben Standorten in Frankreich und England sei dafür auch Deutschland im Gespräch. Mit einem großflächigen Einsatz des neuen Verfahrens werde frühestens in einigen Jahren gerechnet. dpa sb/uk yynwe/fx z2 kf
 << zurück zur Übersicht