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Trotz überraschend guter Exporte düstere Aussichten für Wirtschaft


Wiesbaden (dpa) - Licht und Schatten für die deutsche Konjunktur: Trotz des weltweiten Abschwungs laufen die deutschen Exporte noch überraschend gut. Doch den Firmen brechen die Aufträge weg und die Unternehmen fahren ihre Produktion nach unten. Im September brach die Produktion in Deutschland laut Bundeswirtschaftsministerium so stark wie seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr ein. Die Exporte wuchsen dagegen - nach einem negativen Ausreißer im August - überraschend stark um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf einen Warenwert von 87,1 Milliarden Euro, meldete das Statistische Bundesamt am Freitag. Die Aussichten für den Export sind wegen der Finanzmarktkrise und der nachlassenden Nachfrage in den wichtigsten Absatzmärkten aber düster.

"Deutschland befindet sich in einer Rezession, für das Winterhalbjahr ist mit einem weiteren Schrumpfen der Wirtschaft zu rechnen", schrieb die Commerzbank zu den neuen Daten. Die meisten Ökonomen erwarten eine Rezession. Nach Prognosen von Volkswirten ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Vierteljahr leicht geschrumpft. Die genauen Zahlen veröffentlicht das Amt am kommenden Donnerstag (13.). Schon im Frühjahr war das BIP zum ersten Mal seit knapp vier Jahren um minus 0,5 Prozent zurückgegangen.

Der Außenhandel wird in den kommenden Monaten nach Einschätzung des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) "mit einer Delle konfrontiert." Die Verschärfung der Kreditvergabe an Firmen werde die Exporte zusätzlich dämpfen. Schon im August waren die Exporte mit minus 2,2 Prozent so stark geschrumpft wie seit fünf Jahren nicht.

Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) wird Deutschland besonders unter der globalen Wirtschaftsschwäche leiden, weil der Exportweltmeister stark von der Investitionsdynamik abhängt. Weltweit hielten sich Firmen nun mit Investitionen zurück, so dass bei deutschen Exporteuren die Aufträge einbrächen, sagte IW-Direktor Michael Hüther im ZDF-"Morgenmagazin". Er warnte aber davor, den Begriff "Weltrezession" zu verwenden. Für 2008 erwarten Ökonomen einen Exportzuwachs von vier Prozent nach 7,5 Prozent im Vorjahr - nach den ersten neun Monaten summiert sich das Plus laut Statistischem Bundesamt auf 6,2 Prozent.

Im dritten Quartal ging die Wirtschaftsleistung laut Ökonomen zurück. Die starke Zunahme der Importe - deren Wert vor allem wegen höherer Öl- und Gaspreise zulegte - schmälerte den Überschuss in der Außenhandelsbilanz. Die Einfuhren stiegen im September deutlich stärker als die Ausfuhren mit einem Plus von 14,1 Prozent gegenüber Vorjahr. In der Außenhandelsbilanz - dem Saldo von Exporten und Importen - sank der Überschuss im September von 18,2 auf 15 Milliarden Euro. Zudem dürften die Firmen weniger investiert haben. Schwache Einzelhandelszahlen und die eingebrochenen Autoverkäufe verweisen auf einen nachlassenden Konsum.

Die Produktion in Deutschland brach im September so stark ein wie seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr. Zum Vormonat sank die Erzeugung im verarbeitenden Gewerbe preis- und saisonbereinigt um 3,6 Prozent, teilte das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mit. Wegen der abflauenden Weltwirtschaft und den Folgen der Finanzkrise gehen bei der exportorientierten deutschen Industrie auch die Aufträge immer stärker zurück. Vor allem die Nachfrage bei Industrie und Bau ist laut Ministerium schwach. Im September verzeichneten die Industrieproduzenten einen Rückgang von 3,8 Prozent, das Baugewerbe von minus 1,7 Prozent.

Der Vorstandsvorsitzende der RWE AG, Jürgen Großmann, forderte unterdessen in der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" (Freitag) zur Bekämpfung der Konjunkturschwäche massive Investitionen großer deutscher Konzerne. "Es ist Zeit, über Investitionen in die Infrastruktur nachzudenken", sagte Großmann. "Es geht um ein antizyklisches Gegensteuern. Das können vor allem große Unternehmen wie wir." Allein RWE als zweitgrößter deutscher Energiekonzern habe für die nächsten vier Jahre ein Rekord-Investitionsprogramm von 32 Milliarden Euro für neue Kraftwerke aufgelegt. Der Manager verlangte mehr Rückhalt der Politik.

Autorin: Marion Trimborn, dpa
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