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Wenn Länder pleite sind - Mehrere Staaten vor Bankrott


Hamburg (dpa) - Bei einem Staatsbankrott kann die Regierung eines Landes fällige Forderungen nicht mehr erfüllen und muss die Zahlungen einstellen. Gläubiger können in einem solchen Fall ihr verliehenes Geld plus die Zinsen darauf verlieren. Akut von einem Staatsbankrott bedroht sich unter anderem Island, Ungarn, die Ukraine und Pakistan. Ein Problem ist, dass aufgrund mangelnden Vertrauens kaum noch dringend benötigte Kredite im Ausland zu bekommen sind.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Während in Island der Finanzsektor im Verhältnis zum Rest der Wirtschaft viel zu groß geworden ist, leidet Ungarn unter der massiven Auslandsverschuldung, die es schwer macht, Forderungen zu bedienen und an frisches Kapital zu kommen. Ein Großteil der Bevölkerung hat jahrelang "auf Pump" gelegt und so das Problem verschärft. Pakistan hat kaum noch Devisen, um Importe zu zahlen. Die Folge im Land: Öl- und Lebensmittelpreise sind drastisch gestiegen. Ähnliches gilt für die Ukraine.

ISLAND: Um den den Kollaps abzuwenden, hofft das Land auf die angekündigten Milliarden-Kredite des IWF und des Auslands. Die drei in Schwierigkeiten geratenen und nun verstaatlichten Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir waren durch ihre gewaltigen Kredit- Aktivitäten im Ausland über ein gesundes Maß hinaus gewachsen. Der kleine Staat mit seinen 320 000 Bürgern und übersichtlichen Steuereinnahmen kann sie kaum retten. Der Schuldenstrudel erfasst die gesamte Wirtschaft.

Kredite sind aufgrund der drohenden Zahlungsunfähigkeit fast unerschwinglich - das trifft auch die Verbraucher. Wer sein Konto überzieht, muss bis zu 25 Prozent Zinsen zahlen. Weiter verteuert werden Kredite, weil die Zentralbank auf Druck des IWF den Leitzins um sechs Prozentpunkte auf 18 Prozent anheben musste. Durch diesen extremen Schritt soll die Krone gestützt werden. Die Krone hat binnen eines Jahres drei Viertel ihres Wertes gegenüber dem Euro verloren. Die Situation bleibt äußerst gefährlich. "Viele Menschen werden sehr viel Geld verlieren", sagte Ministerpräsident Geir Haarde.

UNGARN: Als bislang einziges EU-Mitglied ist auch Ungarn akut von einer Zahlungsfähigkeit bedroht: IWF, Weltbank und Europäische Union retteten das Land Ende Oktober mit einem Kredit von 20 Milliarden Euro, nachdem die Geldmärkte des Landes infolge der globalen Finanzkrise praktisch zum Erliegen gekommen waren. Ungarn hatte sich als besonders anfällig erwiesen, da es eine hohe Auslandsverschuldung aufweist. Laut des Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsany stand Ungarn vor dem finanziellen Zusammenbruch.

UKRAINE: Das Land bekam vom IWF einen 13,4-Milliarden-Euro-Kredit. Ziel ist eine Stabilisierung der Situation. Die Reserven des politisch instabilen Landes liegen nur noch bei 34,3 Milliarden Dollar. "Das IWF-Geld ist wie ein Sicherheitskissen und hat vor allem eine psychologische Wirkung", sagte der Kiewer Wirtschaftsexperte Igor Burakowski. Regierungschefin Julia Timoschenko will das Geld vor allem zur Unterstützung der Banken einsetzen.

PAKISTAN: Außerhalb Europas steht besonders die Atommacht Pakistan kurz vor dem Bankrott. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat deshalb die Staatengemeinschaft dazu aufgerufen, Pakistan sehr schnell bei der Bewältigung der Folgen der internationalen Finanzkrise zu helfen. Der IWF müsse einen "angemessenen Kredit" gewähren, sagte Steinmeier Ende Oktober in Islamabad. Bis zu 12 Milliarden Euro fehlen hier.

ARGENTINIEN: Kein aktueller, aber der bis zur Finanzkrise letzte große Fall von Staatsbankrott: Dieser ereignete sich in Argentinien 2001/2002. Als dem Land ein Milliarden-Kredit des IWF verweigert wurde, verstärkte sich eine Kapitalflucht besonders von Investoren, da es seit längerem Gerüchte über eine drohende Zahlungsunfähigkeit gab. Die 1:1-Kopplung des überbewerten Peso an den Dollar verschärfte die Problematik weiter. Als die argentinischen Bürger massenhaft ihr Geld in Dollar abhoben, zog die Regierung die Notbremse und verfügte eine starke Beschränkung beim Bargeldabheben.

Demonstranten versuchten Banken zu stürmen, die Regierung trat zurück und der Staat war faktisch pleite. Der Peso wurde abgewertet und pendelte sich später bei rund 3,50 Peso zum Dollar ein. Die Bürger verloren durch die aufgehobene Dollar-Bindung viel Geld. Bis heute erweist es sich als Hypothek, dass Argentinien aufgrund fehlenden Vertrauens kaum frisches Kapital bekommt. Zuletzt kündigte Präsidentin Cristina Kirchner an, die privatisierten Rentenfonds wieder zu verstaatlichen - Kritiker sagen, dass so ein erneuter Bankrott verhindert werden soll, weil der Zugang zum internationalen Kapitalmarkt seit 2002 erschwert ist.
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