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DIW-Studie: Akademikermangel schwächt deutsche Innovationskraft


Berlin (dpa) - Die geringe Zahl von Abiturienten und Studenten in Deutschland schwächt nach Einschätzung von Wirtschaftsforschern nachhaltig die Innovationskraft hierzulande. Im "Innovationsindikator 2008" kritisiert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zugleich, dass Staat und Unternehmen nach wie vor zu wenig in Forschung und Entwicklung investieren. Auch sei in der deutschen Bevölkerung die Offenheit für eine Berufstätigkeit von Frauen mit Kindern nur unterdurchschnittlich ausgeprägt.

Unter 17 führenden Industrienationen belegt Deutschland nach der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie in der Gesamtbewertung der Innovationsfähigkeit erneut nur den achten Rang. Spitzenreiter sind Schweden, die USA und die Schweiz.

Dabei bekommt vor allem das deutsche Bildungssystem wenige Tage vor Veröffentlichung der neuen PISA-Bundesländer-Daten "blaue Briefe in allen Fächern": Der Mangel an akademischen Fachkräften - eine Folge der im internationalen Vergleich geringen Studentenzahlen - werde sich dramatisch verschärfen. Nur in Österreich verließen noch weniger junge Menschen die Hochschule mit Abschluss.

Wirtschaftsmanager bewerteten die Bildungsqualität an deutschen Schulen wie Hochschulen "als stark verbesserungsbedürftig". Auch die innovationsstarken Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg "setzen in Sachen Bildung im internationalen Vergleich keine Massstäbe". Sie werden vom DIW als ähnlich schwach bewertet wie Deutschland insgesamt, heißt es in der im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und der Telekom Stiftung erstellten Studie.

Die DIW-Forscher stufen das deutsche Bildungssystem im internationalem Vergleich jetzt nur noch auf Platz 15 ein - nach Rang 13 im vergangenen Jahr. Nur noch Italien und Spanien schneiden schlechter ab. Fast 100 000 Stellen für Ingenieure seien derzeit nicht zu besetzen. Auch bei der Weiterbildung müsse Deutschland kräftig zulegen. Pro Schüler und Student gebe die Bundesrepublik im Schnitt 7800 Dollar aus. Den USA und der Schweiz sei die Ausbildung des Nachwuchses dagegen im Schnitt 12 000 Dollar wert. Auch Dänemark, Schweden, Korea und Kanada punkten gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit hohen Bildungsausgaben.

Fördermaßnahmen wie die Hightech-Strategie der Bundesregierung, der Hochschulpakt oder die Exzellenzinitiative kämen "zu spät und zu zögerlich", kritisierte BDI-Präsident Jürgen R. Thumann. Der Vorsitzende der Deutschen Telekom Stiftung, Klaus Kinkel, sagte: "Deutschland ist in Sachen Innovationsfähigkeit immer noch spürbar davon entfernt, ganz oben mitzuspielen." Dabei sei vor allem bessere Bildung die Grundlage für mehr Wachstum.

Nach Einschätzung der Forscher wird Deutschland voraussichtlich das EU-Ziel verfehlen, bis 2010 drei Prozent des BIP für Forschung und Entwicklung auszugeben - vor allem wegen des Mangels an Forschern und anderen Fachkräften. Derzeit liegt der BIP-Anteil bei 2,54 Prozent - in Schweden bei 3,7. Thumann forderte mehr Hilfen bei der Beschaffung von Risikokapital sowie Steuererleichterungen für forschende Unternehmen. Sie sollten zehn Prozent ihrer Forschungsaufwendungen von der Steuerschuld abziehen können.

(Internet: www.innovationsindikator.de)
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