logo
Home
Mein Depot
 Name, WKN, ISIN
LSR
Aktionsplan für umfassende Regulierung


Washington (APA/ag.) - Der Welt-Finanzgipfel in Washington hat einen Aktionsplan aus rund 50 Einzelvorschlägen beschlossen. Damit soll eine Wiederholung der gegenwärtigen Finanzkrise mit ihren Folgen für die Weltwirtschaft möglichst verhindert werden. Die Kern-Bestandteile des Planes sind im Einzelnen:

Legitimität:

Beschlossen wurde der Aktionsplan von den Staats- und Regierungschefs der 22 führenden Industrie- und Schwellenländer.

Prinzipien einer Reform des Welt-Finanzsystems:

Der Gipfel legte einige Grundprinzipien der Reform fest. So ist Regulierung der Finanzmärkte in erster Linie nationale Sache. Da aber die Märkte inzwischen global sind, bedarf es einer engen Kooperation der Regulierer und gemeinsamer Standards. Das Handeln der Regulierer soll die Marktdisziplin fördern sowie Wettbewerb, Innovation und Dynamik stärken. Negative Nebeneffektive auf andere Länder sollen vermieden werden. Marktakteure sollen nicht von unterschiedlichen nationalen Aufsichtsqualitäten in Form einer "Regulierungsarbitrage" profitieren können.

Die Grundidee:

Das grundlegende Ziel einer Reform ist, dass künftig kein Akteur, kein Produkt und keine Region mehr ohne Aufsicht oder eine Form von Regulierung bleibt.

Die Überschriften der Einzelvorschläge lauten:

- Stärkung von Transparenz und Berechenbarkeit

- Verbesserung der Finanzmarkt-Regeln im Sinne einer wirkungsvollen Regulierung

- Förderung von Vertrauen in die und an den Finanzmärkten

- Verstärkung der internationalen Kooperation

- Reform von IWF, Weltbank und anderen Finanzinstitutionen

Zeitrahmen:

Der Aktionsplan umfasst 47 einzelne Vorschläge. Davon sollen 28 kurzfristig bis zum 31. März 2009 konkretisiert und umgesetzt werden. Die restlichen 19 Vorschläge sind eher mittelfristig orientiert. Ein weiterer Welt-Finanzgipfel soll bis zum 30. April 2009 eine erste Zwischenbilanz ziehen. Die Finanzminister sollen zusätzliche Vorschläge ausarbeiten.

Die Vorschläge:

Bei der Stärkung von Transparenz und Berechenbarkeit liegt ein Schwergewicht auf der Überarbeitung von Bilanzierungsregeln und deren Harmonisierung. Auch bisher unregulierte Bereiche wie Verbriefungen und Derivate sollen künftig Regeln unterworfen und mit Kapitalanforderungen belegt werden. Für sehr komplexe Finanzprodukte, die in Krisenzeiten kaum verkaufbar sind, sollen Bewertungsmaßstäbe erarbeitet werden. Es gilt: Jeder Beteiligte soll Risiken der Produkte konkret abschätzen können.

Über die Regulierung sollen prozyklische Wirkungsweisen von Finanzmarkt-Praktiken etwa in der Fremdfinanzierung oder bei Manager-Vergütungen zurückgedrängt werden. Alle G-20-Länder sollen prüfen, ob ihre nationalen Regelsysteme noch den Anforderungen genügen. Rating-Agenturen müssen sich registrieren lassen. Sie sollen offener agieren und werden künftig der Finanzmarkt-Aufsicht unterworfen.

Finanzfirmen sehen sich mit der Forderung nach größeren und spezifischeren Eigenkapital-Puffern je nach Risikoträchtigkeit von Produkten konfrontiert. Sie sollen die Vergütungs- und Anreizsysteme für Manager so ändern, dass diese längerfristig orientiert sind. Das soll auf freiwilliger Basis "oder durch regulatorisches Handeln" geschehen.

Zur Stärkung des Vertrauens sollen die Aufsichtsbehörden dafür sorgen, dass das Finanzsystem vor Risiken und unfairen Wettbewerbspraktiken durch Steueroasen geschützt wird. Verweigerten die Steuerparadiese die Zusammenarbeit, soll gegen sie rigoroser vorgegangen werden.

Bei der internationalen Kooperation und Aufsicht soll der IWF eine stärkere Rolle spielen. An der Überwachung der Märkte sollen aber auch das Forum für Finanzstabilität (FSF) und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mitwirken. Beide Institutionen sollen auf eine breitere Mitgliederbasis gestellt werden, um auch Schwellenländer stärker zu repräsentieren.  << zurück zur Übersicht