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Mafia AG - Italiens Top-Firma verwöhnt auch noch im Gefängnis Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa



Rom (dpa) - Die Welt stöhnt unter der Last der Finanz- und Wirtschaftskrise, Italiens "Top-Firma" aber verdient sich mehr denn eine goldene Nase. Tag für Tag nimmt die Mafia fast 250 Millionen Euro an erpressten Schutzgeldern ein, der Gesamtjahresumsatz des blühenden kriminellen Gewerbes hat stolze 130 Milliarden Euro erreicht. Damit ist reichlich Geld auf dem Tisch, um auch eingebuchteten Handlangern der schmutzigen Mafia-Geschäfte das Leben hinter Gittern zu versüßen.

Im Gefängnis von Poggioreale in Neapel beispielsweise ist die Kaufkraft besonders hoch - jeder Häftling hat hier im Schnitt 312 Euro für Zigaretten, Leckereien oder Hygieneartikel in den Taschen. Und das ist doch immerhin das Fünffache dessen, was sein Kollege hinter den Gefängnismauern von Bergamo oder Monza ausgeben kann. Wieso? Neapels Camorra lässt ihre "Soldaten" eben nicht hängen.

"Im "Hotel Poggioreale" zahlt die Mafia", bringt es die Turiner "La Stampa" auf einen Nenner und rechnet vor, dass die Häftlinge in Kampaniens größtem Gefängnis monatlich 632 000 Euro ausgeben. Dabei reicht das Geld für die Profiteure der kriminellen Wohlfahrt auch aus für die pikante Soße zur Pasta, wie sie die Gefängniskost natürlich nicht mitliefert, oder aber für ein duftendes Aftershave. Natürlich sind nicht alle 2000 Insassen Mafia-Leute, für die Ehefrauen und Schwestern die Scheine beim Besuch mitbringen. Auch der ganz "normale" Kriminelle kriegt noch etwas ab, wenn ein Camorra-Mann in seiner Zelle das Sagen hat. Er muss diesem nur wieder einen Gefallen tun. Eine Hand wäscht die andere, das gilt auch hinter Gittern.

Für die Camorra und die sizilianische Cosa Nostra, für Kalabriens 'Ndrangheta und die apulische Sacra Corona Unita ist das Kleingeld. Denn das seit Jahren "größte Unternehmen Italiens" ist so organisiert und "diversifiziert", dass es auch boomt, wenn andere unter der Krise leiden. Die "Mafia AG" schwimmt in Zeiten knapper Kredite im Geld. Im lukrativen Drogengeschäft allein klingelt die Kasse so, wie anderswo selbst vor Weihnachten nicht mehr - Jahresumsatz 59 Milliarden Euro, wie Marco Venturi, Präsident der Händlervereinigung Confesercenti, jetzt vorrechnete. Im reinen "Handel", also ohne erpresste Gelder, kommen bei der Mafia jährlich 92 Milliarden Euro zusammen, und das sind etwa sechs Prozent des italienischen Bruttoinlandsproduktes.

Gut sieht es auch für die "Unternehmenssparten" Produktfälschung, illegale Glücksspiele und Wetten aus. Die feste Verankerung im täglichen Leben - und das nicht nur in Süditalien - bleibt indessen "il pizzo" - das Schutzgeld. Das wollten Camorra-Kassierer ausgerechnet auch den Organisatoren eines Anti-Mafia-Konzertes bei Neapel abknöpfen, das jüngst zur letzten Bühne der an einem Herzinfarkt gestorbenen südafrikanischen Sängerin Miriam Makeba werden sollte.

Zehn Millionen Euro pro Stunde, in jeder Minute 160 000 - das rechneten die Mafia-Gegner aus: In Palermo auf Sizilien zahlt der Händler 200 bis 500 Euro im Monat, damit er unbehelligt arbeiten kann. Die Camorra in Neapel macht es da billiger - "nur" 100 bis 200 Euro als "pizzo". 180 000 Betriebe und Firmen stehen auf der Liste der Kassierer, darunter Nachtclubs und sogar Beerdigungsunternehmen. Und wenn in Zeiten der Rezession das Geld fehlt, dann kann die Mafia die Kredite geben. Die Krise könnte die Mafia nur noch gefährlicher machen.
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