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Zwischen Hoffen und Bangen: Handel glaubt an den Weihnachtsmann Von Simone Hett, dpa-AFX und Volker Danisch, dpa


Frankfurt/Düsseldorf (dpa) - Für den deutschen Einzelhandel stehen Milliarden auf dem Spiel. Die Innenstädte werden mit Lichterketten geschmückt, in die Schaufenster halten Engel und Nussknacker Einzug. Das Weihnachtsgeschäft ist angelaufen, das erfahrungsgemäß für 75 Milliarden Euro Umsatz steht. Nach einer Flut von Schreckensmeldungen aus der Finanzwelt und ersten Hiobsbotschaften aus der Realwirtschaft ist die Unsicherheit aber groß, wie weit Otto-Normalverbraucher in diesem Jahr seine Geldbörse für Weihnachtsgeschenke öffnen wird. Die Vorhersagen schwanken zwischen Hoffen und Bangen. Die 2,8 Millionen Mitarbeiter große Branche muss sich auf härtere Zeiten einstellen.

Dabei sieht es auf den ersten Blick besser aus als in den Jahren zuvor: Die Arbeitslosigkeit ist gesunken. Zudem fällt das tarifliche Weihnachtsgeld in diesem Jahr in vielen Branchen höher aus. Nach einer Studie des WSI-Archivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler- Stiftung beträgt das Plus je nach Tarifbereich zwischen 1,6 und 11,1 Prozent. Das sind 18 bis 193 Euro mehr in den jeweils mittleren Tarifgruppen. Etwa jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland bekommt ein tariflich vereinbartes Weihnachtsgeld, das in der Regel ab Mitte November an die Mitarbeiter ausgezahlt wird. Darauf warten bereits Händler vom Möbelhaus bis zum Elektronikgeschäft ungeduldig.

An Wünschen mangelt es nicht. In Engelskirchen bei Köln hat das Christkind mit 51777 sogar eine eigene Postleitzahl erhalten, weil die Riesenmenge eingehender Briefe anders nicht mehr zu bewältigen war. "Die meisten wünschen sich Spielwaren, Haustiere oder gute Noten", schildert Britta Töllner, Sprecherin der Deutschen Post. Nach einer Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte werden am liebsten Bücher, Gutscheine und Musik gekauft. Für Kinder komme vermehrt elektronisches Spielzeug wie PC-Games und Spielekonsolen auf den Gabentisch. Die Käufer achteten zunehmend auf die Nützlichkeit der Geschenke. Als Folge könnte der Absatz von Luxusgütern einbrechen.

Der Luxus-Markt bleibe bestehen, meint dagegen der Marketing- Experte Bernd M. Michael, aber Bescheidenheit sei angesagt. "Der Nerz wird innen und nicht mehr außen getragen", verdeutlicht er. Die Einzelhandels-Konjunktur hänge wenig von Realitäten, sondern stark von der Stimmung ab. In schwierigen Zeiten gebe es weniger Lust- Käufe. Das gelte auch für Weihnachten 2008. "Es wird in vielen Familien Gespräche über das Thema geben. Lieber Papa, das Auto kommt später, aber die Krawatte kriegst du sofort. Liebe Mama, wir fliegen nicht in die Karibik, aber du bekommst einen neuen Kaschmir- Pullover", beschreibt Michael. Letzten Endes würden in vielen Fällen große Freuden verschoben, kleine Freuden gönne man sich.

"Die drohende Wirtschaftskrise dämpft die Kauflaune erheblich", heißt es auch in einer Ende Oktober veröffentlichten Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. "Die Verbraucher stellen sich auf schwierigere Zeiten ein und schnallen den Gürtel enger." Nach der Umfrage von Ernst & Young wollen die Deutschen diesmal im Durchschnitt 221 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben und damit zehn Prozent weniger als 2007. "Über 60 Prozent der Deutschen wollen ihre Ausgaben reduzieren und vor allem preisbewusst entscheiden", erklärte auch Deloitte-Partner Peter Thormann erst vor wenigen Tagen.

Aus einer Mitte Oktober veröffentlichte Umfrage des Quelle- Versands ging dagegen hervor, dass die Finanzkrise und die Rezessions-Sorgen den Weihnachtseinkauf noch wenig beeinflussten. Für den Arcandor-Konzern sei das Weihnachtsgeschäft normal angelaufen, sagte Vize-Konzernchef Marc Sommer in dieser Woche. Zu Arcandor gehört neben Quelle unter anderem auch Karstadt. Die Geschäfte in Bayern rechnen in diesem Jahr sogar mit steigenden Umsätzen im Weihnachtsgeschäft. "Die Erfahrung zeigt, dass sich die Verbraucher gerade in sogenannten Krisenzeiten eher mal etwas gönnen und manchmal dafür auch tiefer in den Geldbeutel greifen", sagte der Präsident des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels, Michael Krines.

"Natürlich wird die Krise auch den Konsum treffen - die Frage ist nur: Wann? Für das Weihnachtsgeschäft bleiben wir noch relativ optimistisch", sagte der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Josef Sanktjohanser, der "WirtschaftsWoche". "Aber es ist kein Geheimnis: 2009 wird härter, wir erwarten insgesamt eine Stagnation, wobei man aber wirklich abwarten muss, wie sich die Stimmung der Konsumenten entwickelt", ergänzt er zum Ausblick auf das neue Jahr. Je länger die Finanzkrise die Schlagzeilen beherrscht, desto größer dürften die Umsatzeinbußen für den Handel sein, meint dazu Ernst & Young. Nach Weihnachten und im Winterschlussverkauf seien umfangreiche Rabattaktionen zu erwarten.
dpa she/vd yynwd a3 pi

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