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Aussicht immer schlimmer: Tiefste Rezession in Deutschland seit 1949


Berlin/Frankfurt (dpa) - Deutschland könnte 2009 in die tiefste Rezession seit Gründung der Bundesrepublik stürzen. Wie die Deutsche Presse-Agentur dpa am Freitag in Berlin erfuhr, wird die Deutsche Bundesbank in Kürze eine neue Prognose bekanntgeben, nach der 2009 ein Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,0 Prozent zum Vorjahr zu erwarten sei. Diese Zahl nannte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) im Haushaltsausschuss des Bundestages nach Angaben von Teilnehmern. Dies wäre die tiefste Rezession, die Deutschland je in der Nachkriegszeit erleben würde. Bislang war das BIP 1975 als Folge der Ölkrise mit einem Minus von 0,9 Prozent am stärksten geschrumpft.

Die Bundesbank teilte in Frankfurt mit, dass sie die nächste Konjunkturprognose am 5. Dezember veröffentlichen wird. Zu der genannten Zahl von minus 1,0 Prozent wollte sich eine Sprecherin nicht äußern. Auch das Bundeswirtschaftsministerium kommentierte die Angaben nicht. Die Regierungsprognose für ein Wachstum von 0,2 Prozent im nächsten Jahr habe Bestand.

Bereits die fünf Wirtschaftsweisen hatten am Donnerstagabend ihre Wachstumsprognose für dieses und das kommende Jahr nach unten korrigiert. Für 2009 sagt der Sachverständigenrat nunmehr ein Minus von 0,2 Prozent voraus. Bisher waren die Ökonomen von 0,0 Prozent ausgegangen. Für 2008 werden statt der jüngst vorhergesagten 1,7 Prozent nur noch 1,5 Prozent vorausgesagt.

Mit der Prognose von einem Absturz auf minus 1 Prozent des BIP würde die Bundesbank für Deutschland eine noch stärkere Talfahrt erwarten als der Internationale Währungsfonds (IWF). Dieser rechnet im kommenden Jahr mit einem Rückgang des BIP um 0,8 Prozent in Deutschland. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wird die Gesamtheit aller Industriestaaten nach Ansicht des IWF 2009 in eine lange Rezession rutschen. Sie werden zusammengenommen um 0,3 Prozent schrumpfen, erwartet der IWF.

Damit steuert Deutschland auf das sechste Rezessionsjahr seit 1949 zu: Nach den Wirtschaftswunderjahren ging das BIP erstmals 1967 im Vergleich zum Vorjahr zurück. 1975 und 1982 - nach den damaligen Ölkrisen - schrumpfte die Wirtschaft erneut. 1993 gab es mit einem Minus von 0,8 Prozent nach dem Ende des Einheitsbooms ein Rezessionsjahr. Zum bislang letzten Mal schrumpfte die Wirtschaft 2003 um 0,2 Prozent.

Die Bundesbank hatte am Donnerstag in Frankfurt mitgeteilt, 2009 würden die negativen Folgen der weltweiten Finanzmarktkrise und der realwirtschaftlichen Eintrübung "in ihrer ganzen Tragweite sichtbar". Eine konkrete Zahl war nicht genannt worden. Nach einer zunehmend gängigen Definition steckt Deutschland bereits derzeit in einer Rezession, da die Wirtschaftsleistung im Frühjahr und Sommer 2008 zwei Quartale hintereinander geschrumpft ist. Zwei Rückgänge in Folge hatte es zuletzt im ersten Halbjahr 2003 gegeben. Trotz Abschwungs im zweiten Halbjahr sind die Vorhersagen für das Gesamtjahr 2008 noch positiv.

Die beiden stärksten Einbrüche der gesamtwirtschaftlichen Leistung gab es 1975 mit minus 0,9 Prozent und 1993 mit minus 0,8 Prozent. Der Einbruch 1975 war eine Reaktion auf die Ölkrise 1973, die Deutschland in der Folge in die Rezession schickte. 1993 sorgten als Folge struktureller Probleme durch die Wiedervereinigung wachsende Staatsschulden, hohe Arbeitslosigkeit (Quote: 8,9 Prozent) und eine Inflation (4,5 Prozent) für ein deutliches Schrumpfen der Wirtschaft. dpa ir/sl/tb  << zurück zur Übersicht