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ver.di befürchtet starken Stellenabbau bei den Landesbanken


Düsseldorf (dpa) - Bei den Landesbanken ist angesichts von Kosteneinsparungen und Fusionsplänen nach Gewerkschafts- Einschätzung etwa jeder dritte Arbeitsplatz bedroht. "Von den rund 40 000 Arbeitsplätzen im Landesbanken-Sektor drohen etwa 15 000 wegzufallen", sagte der ver.di-Sprecher für den Bankensektor, Jörg Reinbrecht, am Montag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa. Personalkosten seien erfahrungsgemäß der größte Posten, wenn Sparprogramme aufgelegt werden. So habe die WestLB bereits den Abbau von mindestens 1350 Vollzeitstellen angekündigt. Die HSH Nordbank wolle 750 Stellen abbauen. Hinzu kämen nun die umfassenden Fusionspläne der Sparkassen, die sieben Landesbank-Konzerne zu drei Blöcken zusammenzuführen.

"Aus unserer Sicht ist es falsch, jetzt die Landesbanken in großen Blöcken zusammenzulegen", betonte der ver.di-Sprecher. Das löse nicht alle Probleme und berge Risiken. Stattdessen sollten die einzelnen Geschäftsmodelle überprüft werden. "Im Kern sind die Landesbanken in ihrer jeweiligen Region verwurzelt. Das ist immer ein Erfolgsfaktor gewesen", gibt Reinbrecht zu bedenken. Ein Auslöser der Probleme der WestLB sei ein starkes Investment-Banking gewesen. Auch andere Landesbanken hätten im großen Umfang in risikoreiche Produkte investiert. Damit dies künftig nicht mehr vorkomme, müssten die Eigentümer Abstriche an ihren Renditezielen für die Landesbanken machen. Eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent, die die Sparkassen- Organisation vor längerer Zeit aufgestellt habe, sei unrealistisch.

In den vergangenen Jahren hätten sich die Kräfteverhältnisse unter den Eigentümern der Landesbanken weiter zugunsten der Sparkassen verschoben. "Die Sparkassen versuchen, das Ruder zu übernehmen", schilderte der ver.di-Sprecher. Dies verdeutliche das gemeinsame Fusionspapier der regionalen Sparkassen-Präsidenten für die Landesbanken. Die Länder sollten sich aber nicht komplett aus dem Eigentümerkreis zurückziehen. Die Landesbanken hätten in der Vergangenheit für die Länder "ein Stück" Industriepolitik betrieben, indem sie wichtige Unternehmen vor dem Niedergang gerettet hätten. "Das ist sinnvoll. Die Funktion, Arbeitsplätze in der Region zu sichern, sollte aus unserer Sicht weiter zu den Aufgaben einer Landesbank gehören."

Bei Landesbank-Fusionen will ver.di die Interessen der Mitarbeiter notfalls mit Streiks durchsetzen. Die aus den 80er Jahren stammenden Rationalisierungsschutz-Regelungen für Mitarbeiter aller Banken in Deutschland sei zum Jahresende 2008 von ver.di gekündigt worden. "Wir haben damit ab dem 1. Januar 2009 die Möglichkeit des Streiks", sagte Reinbrecht. Bei der Allianz hätten Streiks zum Beispiel bewirkt, dass der Standort Köln nicht geschlossen wurde. Reinbrecht bestätigte, dass ver.di für den Fall einer Landesbank-Fusion einen Tarifvertrag zum Beschäftigungsschutz ins Auge fasst. Die Alternative wären Sozialpläne in den einzelnen Häusern. "Wir wollen so verhandeln, dass die Belegschaften nicht gegeneinander ausgespielt werden können."

Gespräch: Volker Danisch, dpa
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